Ueber die praktische Verwerthung des Stickoxydulgases. 215
Salpetersäure mit reinem kohlensaurem Ammonium gewonnene Product
soll chlor- und schwefelsäurefrei sein. Die bekannten Reactionen mit
Silbernitrat und Chlorbarium zeigen die Reinheit des zu verwendenden
Materials an. Die Entwickelung des Gases beginnt bei 170°. Die
Hauptkunst bei der Darstellung besteht in der Regulirung der Feue
rung, die bei beginnender Entwickelung gemässigt werden muss. Bei
eingetretener Ueberhitzung bildet sich Stickstoff, Ammoniak und das
für den Gebrauch zum Einatbmen gefährlichste Nebenproduct, das Stick
oxyd. Selbst das aus reinem Material und bei grösster Vorsicht dar
gestellte Gas bedarf einer Reinigung; am zweckmässigsten passirt das
Gas einige Waschflaschen, die mit Eisensulfat, mit Kalilösung und endlich
mit Kalkmilch beschickt sind. Das gebildete f^ickoxydgas wird durch
das Eisensulfat zerstört, die Säure durch das Kali zurückgehalten und
die am wenigsten schädliche Beimengung Kohlensäure durch die vor
gelegte Kalkmilch auch noch absorbirt.
Die zahnärztlichen Berichte gehen in genauerWeise die Apparate
an, welche jedoch für den Chemiker nichts Neues darbieten, da es dieselben
sind, welche in den Laboratorien zur Darstellung und Reinigung bisher
gedient haben. In den meisten Fällen haben sich die Zahnärzte das Gas
selber bereitet; in Berlin beschäftigt sich der Apotheker Herr Worf,
Markgrafengasse 16, damit, den Zahnärzten die Gasometer zu füllen.
Als neu und interessant ist die Compression des Gases behufs
kaufmännischer Verwerthung zu erwähnen. Znerst wurde dieses V er
fahren in London nach Evans’ Vorgang in Anwendung gebracht. Das
zur Compression benutzte Gas wird auf die vorbeschriebene Weise
dargestellt und gelangt in eisernen Flaschen (etwa 40 cm lang, 15 cm
breit), welche mit einem starken Schraubenventil versehen sind, in den
Handel. Die grössten Quantitäten werden in London von dem Mechaniker
John Orchard jun. (lOHigh Street Kensington, opposite the Metro
politan Railway) fabricirt, und die Herren James Coxeter & son
(23 Grafton Street East.), durch deren Vermittelung die Cylinder in
den Handel gebracht werden, hatten die Güte, mir einige Zahlen mit-
zutheilen, welche ein Bild des enormen Consums geben.
1871 wurden verkauft 146 211 Gallonen,
1872 „ „ 214 478
1873 n „ 202252
Die Abnahme im Jahre 1873 findet ihre Erklärung durch einen Todes
fall während der Narcose (s. British Journ. ofDent. Science, Fehr. 1873).
Die schnelle Verbreitung dieses Falles durch die Presse entmuthigte
das Publicum; während im Januar 1873 23 000 Gallonen versandt
wurden, sank der Verkauf im Monat Februar, in welchem das un
glückliche Ereigniss stattfand, auf 10 900, doch ist er seit jener
Zeit in erhöhtem Maasse wiederum gestiegen. In Deutschland