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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
und der des Flussspathes. Die Farbe des Pulvers, also auch des 
Striches, ist rothheh braun und gleicht vollkommen der des geglühten 
Eisenoxydes, des sogenannten Colcothars. 
„... lJc ' r amorphe Phosphor ist geschmack- und geruchlos, in allen 
Flüssigkeiten, die den gewöhnlichen Phosphor lösen, gänzlich unlös 
lich, daher auch nicht giftig. In bedeutender Menge in den Magen 
gebracht wird derselbe unverändert abgeschieden, er widersteht also 
dem mächtigen Oxydation sprocesse im Thierkörper. 
Durch Reibung ist er schlechterdings nicht entzündbar, daher beim 
Transport ganz ungefährlich. Da aber die Stücke meistens etwas gewöhn 
lichen Phosphor in kleinen Partien eingeschlossen enthalten, so müssen 
sie unter Wasser versendet werden, indem sie sich beim Zerbrechen 
oder Abreiben zuweilen entzünden; jedoch auch dann brennen sie nur 
langsam. In Pulverform geschieht der Transport ohne alle Gefahr in 
-Diecnbücnsen. 
Der im Handel in Pulverform vorkommende amorphe Phosphor 
enthalt ebenfalls geringe Mengen (nach Fresenius etwa 0'6 p. C. und 
weniger) gewöhnlichen Phosphors beigemengt, er oxydirt sich daher 
langsam an der Luft und reagirt dann sauer. Es ist aber auch be 
hauptet worden, es sei überhaupt eine Eigenschaft des amorphen Phos- 
p ors, sich langsam an der Luft zu oxydiren, selbst wenn er keinen 
gewöhnlichen Phosphor beigemengt enthält. Dies ist jedoch ohne 
Zweifel irrig, indem der Berichterstatter reinen, amorphen Phosphor 
durch Jahre auf Papier vertheilt, an freier Luft liegen hatte, ohne dass 
eine Spur von saurer Reaction daran zu beobachten gewesen wäre 
Es wäre jedoch immerhin möglich, dass es bisher noch nicht ermittelte 
Einflüsse giebt, unter welchen amorpher Phosphor, auch wenn er kei 
nen gewöhnlichen beigemengt enthält, an der Luft sauer wird; keines 
wegs gehört aber dieses Verhalten, obgleich es so häufig eintritt, zu 
den normalen Eigenschaften dieser Modification des Phosphors. 
Ausser gewöhnlichem Phosphor und phosphoriger Säure enthält 
der amorphe Phosphor des Handels auch noch mit Einschluss des Wassers 
ungefähr 4‘622 p. C. andere Verunreinigungen, unter welchen sich stets 
auch Graphit befindet, der von den eisernen Gefässen stammt, in welchen 
die Bereitung geschieht. 
Zur Entzündung bedarf der amorphe Phosphor einer Temperatur 
von mindestens 240°;^ Salpetersäure löst ihn seiner grossen Ver- 
ei ung wegen weit leichter als den gewöhnlichen, weil letzterer, als 
geschmolzene Masse, der Säure nur wenige Angriffspunkte bietet. 
Chlor, das sich mit dem gewöhnlichen Phosphor unter Feuererscheinung 
verbindet, wirkt auf den amorphen Phosphor nicht ein. Erst beim 
Erwärmen findet eine Action statt, wo er dann, jedoch nur bei einem 
raschen Chlorstrom, mit gelber, leuchtender Flamme darin brennt.
	        
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