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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Phosphor und Zündwaaren. 
Ausgestellt war amorpher Phosphor nur in der additionellen 
Abtheilung als Illustration der in Oesterreich gemachten Erfindungen. 
Die Producte der Einwirkung verschiedener Körpe# auf die beiden 
Modificationen des Phosphors sind genau dieselben, was nicht bei allen 
Grundstoffen, an welchen solche beobachtet worden, wie z. B. beim 
Kohlenstoff, der Fall ist, wie aus den schönen Untersuchungen von 
Brodie, Berthelot und Stingl hervorgeht. 
Der Uebergang des gewöhnlichen Phosphors in den amorphen 
tritt ein, wenn jener der Einwirkung des Lichtes ausgesetzt oder län 
gere Zeit bei einer Temperatur von 240 bis 250° erhalten wird. Auch 
schon bei 215° erfolgt die Umwandlung, aber langsam. Bei 260° be 
ginnt derselbe wieder in den gewöhnlichen Phosphor überzugehen, 
dessen Siedepunkt unter mittlerem Luftdruck bei 290" liegt. Bei 
diesem Körper lässt sich daher der Uebergang der einen Modifieation 
in die andere so leicht zeigen, wie bei keinem anderen; man bedarf 
hierzu nur einer mit Quecksilber abgesperrten Glasröhre, in deren 
horizontal gehaltenen Theil mehrere Kugeln geblasen sind. Der 
in die erste Kugel am Ende der Röhre gebrachte gewöhnliche 
Phosphor entzündet sich beim Erwärmen und verzehrt so allen in der 
Röhre enthaltenen Sauerstoff. Der übrig gebliebene Theil des Phosphors 
wird in die zweite Kugel getrieben, dort durch vorsichtiges Erwärmen 
umgewandelt und kann nun in die dritte Kugel wieder als gewöhnlicher 
Phosphor überdestillirt werden. 
Im Jahre 1865 beschrieb W. Hittorf 1 ) in einer sehr schätzbaren, 
unsere Kenntniss des Phosphors wesentlich erweiternden Abhandlung, 
einen Körper, den er erhielt, indem er amorphen Phosphor mit Blei in einer 
evacuirten Glasröhre der Glühhitze aussetzte, wobei sich an der Ober 
fläche des Bleies nach dem Erkalten metallglänzende, schwarze Krystall- 
blättchen fanden, die nach Hittorf aus Phosphor in einer neuen ätio 
tropen Modifieation bestehen, welche er als die „metallische krystalli- 
sirte“ bezeichnet. Näher auf die interessanten Beobachtungen Hit- 
torf’s einzugehen, ist hier nicht der Ort, besonders erwähnt muss 
jedoch die von demselben beobachtete Thatsache werden, dass der ge 
wöhnliche Phosphor bei Temperaturen über 300° C., also unter bedeu 
tend hohem Drucke in geschlossenen Gefässen, schon in wenigen 
Minuten in den amorphen Zustand übergeht. Da bei diesem Ueber 
gang noch überdies eine beträchtliche Erhöhung der lemperatur ein- 
tritt, so wird bei dieser Operation ein sehr starker Druck auf die Wände 
des Gefässes stattfinden. Hittorf ist jedoch der Ansicht, dass den 
Fabrikanten, welche sich mit der Darstellung von amorphem Phosphor 
befassen, die so erzielte bedeutende Abkürzung des Verfahrens willkommen 
sein dürfte. Es ist indess die Frage, ob nicht bei solcher Behandlung 
x ) Hittorf, Pogg. Arm. CXXVI, 193.
	        
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