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Phosphor und Ziindwaaren.
immer noch hauptsächlich die Knochenerde, es wird jedoch angegeben,
dass in neuester Zeit in England auch die natürlichen Phosphorite
hierzu benutzt werden, wozu es bei dem stets steigenden Bedarf
an Phosphor und den übrigen Verwendungen der Knochen wohl auch
kommen muss. Schon jetzt ist man genöthigt, dieses kostbare, so
vielfach nützliche Material, das ganz eigentlich dazu bestimmt ist,
den Kreislauf der Materie ungestört zu erhalten, von sehr entfernten
Gegenden herbeizuschaffen, was den Preis desselben bedeutend erhöht.
Es ist daher sehr zu bedauern, dass ein grosser Theil der Knochen,
theils aus Indolenz, theils aus Unkenntniss, ein anderer eines einge
wurzelten religiösen Vorurtheiles wegen, diesem grossen Zwecke nicht
erhalten bleibt. An passenden Anregungen und Vorschlägen, diesen
Uebelständen abzuhelfen, fehlt es nicht, und bezüglich des letzteren
Punktes waren auch auf der Ausstellung solche zu finden. So hat Cav.
Lodovico Brun etti, Professorder pathologischen Anatomie in Padua,
einen Apparat zur Verbrennung von Leichen nebst dem Verbrennungs
rückstande einer Leiche, die 45 Kg wog (sub Nr. 4149), zur Ansicht
gebracht. Das Gewicht des fast ganz weissen Rückstandes betrug
1077 g, die Verbrennung dauerte 3 l j2 Stunden und die Kosten beliefen
sich nur auf 1'2 Gulden österr. W. ').
Die Menge der bei der Verbrennung der Knochen zurückblei
benden Knochenerde ist je nach der Verschiedeenheit der Körpertheile,
denen die Knochen angehören und nach dem Alter wechselnd, beträgt
aber im Mittel 59 p. C. Sie enthält der Hauptmasse nach an:
Calciumphosphat Ca 3 (P04).2 85'7
Magnesiumphosphat 1'7
Calciumcarbonat 9'1
Fluorcalcium 3'0
99-5
Da man aber aus 100 Kg Knochen nur höchstens 8 Kg Phosphor
erhält, also mehr als */ 3 des gesammten, in den Knochen enthaltenen
Phosphors in den Rückständen bleibt, so ist ersichtlich, dass für die
Erzeugung des erforderlichen Quantums von Phosphor eine sehr be
trächtliche Menge von Knochen erforderlich ist, wie folgende Zahlen
zeigen. R. Wagner giebt nämlich in seinem schätzbaren Jahres
berichte (XI, 267) an, dass im Jahre 1864 auf 1865
l ) Siehe Brunetti’s Buch „Cremazione dei Cadaveri“ mit zwei Tafeln;
ferner Dr. J. P. Trusen: „Die Leiehenverbrennung als' die geeignetste Art
der Todtenbestattung“, Breslau 1855, endlich einen vorzüglichen Artikel von
Sir Henry Thompson in der „Contemporary Review“ (Januarheft 1874), in
welchem der Gegenstand vom sanitären und wirthschaftlichen Standpunkte
beleuchtet wird. (S. „N. fr. Presse“ Fllt. 1874, Nro. 40.) Den Bemühungen
des vor Kurzem ins Leben getretenen Leichenverbrennungsvereins in Ham
burg ist daher der beste Erfolg zu wünschen.
Wiener Weltausstellung. III.
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