227
Phosphor und Zündwaaren.
Gemenge von gleichen Theilen Knochenasche und Holzkohle, Phosphor
zu gewinnen, dessen ebenfalls schon A. W. Hofmann (1. c.) erwähnt.
Statt der Knochenasche könnte jedenfalls ein in der Natur vorkommendes
Phosphat oder auch ein solches dienen, das aus der hei der Behandlung
der Knochen mittelst Salzsäure erhaltenen Lösung durch
Kalk gefällt wird. Das hierbei gebildete Chlorcalcium Hesse sich anstandslos
wieder zur Bereitung von Salzsäure verwenden, so dass man
zuletzt Gyps mit geringem Gehalt an Phosphaten bekäme, der ganz
gut als Düngmaterial zu verwerthen wäre.
In neuerer Zeit soll auch das von Wöhler schon vor Jahren in
Vorschlag gebrachte Verfahren, den phosphorsauren Kalk mit Kieselsäure
und Kohle zu zerlegen, im Grossen in der Fabrik von Coignet
in Lyon in Anwendung gekommen sein, nachdem dasselbe von Aubertin
und Bobliquet aufs Neue entdeckt worden war 1 ). Man kann nicht
umhin, sich hierbei zu erinnern, dass Brand den Phosphor zuerst darstellte,
indem er zur Trockenheit abgedampften Harn mit Sand destillirte!
C. Brisson hat das Verfahren von Wöhler dahin abgeändert,
dass er dem obigen Gemenge Soda zusetzt und die Masse in einem
Schachtofen schmilzt. Die Operation muss so geleitet werden, dass der
in Freiheit gesetzte Phosphor nicht mit Luft in Berührung kommt,
was zu erreichen eben nicht ganz leicht sein dürfte 2 ).
ln England soll der „Sombrerit“, der sich auf den Antillen, namentlich
auf der Insel Sombrero, in grosser Menge findet, zur Gewinnung
des Phosphors verwendet werden. Derselbe besteht aus 49 6 Phosphorsäure,
42'7 Kalk, 6'5 Thonerde und l'l Wasser 3 ).
Auch wird daselbst ein Mineral verarbeitet, welches aus Westindien
stammt und unter dem Namen „Rondondophosphat eingeführt
wird. Die Hauptbestandtheile des Minerals sind Thonerde und Phosphorsäure
nebst etwas Eisen. Spence schliesst dasselbe durch Kochen
mit Schwefelsäure auf, nachdem es vorher geglüht und fein gepocht
wurde. Durch Einleiten von Ammoniak aus Gaswassern wird ein
Ammoniakalaun gebildet, den man durch Krystallisation von der
Mutterlauge leicht trennt, die dann hauptsächlich phosphorsaui es Ammoniak
enthält, das zur Bereitung von künstlichem Dünger dient
Gerland extrahirt die entfetteten Knochen mit schwefliger Säure
und erwärmt die Lösung, wobei die Phosphate unter Abscheidung der
Säure, die wieder verwendet werden kann, gefällt werden 4 ). Dieses
i) Monit. scientif. 1869, 173. 2 ) Wagn. Jahresber. 1869, 223. 3 ) Wagn.
Jahresber. 1862, 247. Man bat es auch versucht, dem Kalkphosphat ein
Eisenphosphat zur Gewinnung des Phosphors zu substituiren; über den Ei folg
ist jedoch nichts Näheres bekannt geworden. Es ist auch nicht wahrscheinlich,
dass auf diesem Wege ein günstiges Resultat erreicht werden kann
(s. Minary u. Soudry in Wagn. Jahresber. für 1865, 775). 4 ) Bull. Soc.
Chim. II, 1864.
15*