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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Phosphor  und  Zündwaaren.
Gemenge  von  gleichen  Theilen  Knochenasche  und  Holzkohle,  Phosphor
zu  gewinnen,  dessen  ebenfalls  schon  A.  W.  Hofmann  (1.  c.)  erwähnt.
Statt  der  Knochenasche  könnte  jedenfalls  ein  in  der  Natur  vorkommendes ­
  Phosphat  oder  auch  ein  solches  dienen,  das  aus  der  hei  der  Behandlung ­
  der  Knochen  mittelst  Salzsäure  erhaltenen  Lösung  durch
Kalk  gefällt  wird.  Das  hierbei  gebildete  Chlorcalcium  Hesse  sich  anstandslos ­
  wieder  zur  Bereitung  von  Salzsäure  verwenden,  so  dass  man
zuletzt  Gyps  mit  geringem  Gehalt  an  Phosphaten  bekäme,  der  ganz
gut  als  Düngmaterial  zu  verwerthen  wäre.
In  neuerer  Zeit  soll  auch  das  von  Wöhler  schon  vor  Jahren  in
Vorschlag  gebrachte  Verfahren,  den  phosphorsauren  Kalk  mit  Kieselsäure ­
  und  Kohle  zu  zerlegen,  im  Grossen  in  der  Fabrik  von  Coignet
in  Lyon  in  Anwendung  gekommen  sein,  nachdem  dasselbe  von  Aubertin
und  Bobliquet  aufs  Neue  entdeckt  worden  war 1 ).  Man  kann  nicht
umhin,  sich  hierbei  zu  erinnern,  dass  Brand  den  Phosphor  zuerst  darstellte, ­
  indem  er  zur  Trockenheit  abgedampften  Harn  mit  Sand  destillirte!
C.  Brisson  hat  das  Verfahren  von  Wöhler  dahin  abgeändert,
dass  er  dem  obigen  Gemenge  Soda  zusetzt  und  die  Masse  in  einem
Schachtofen  schmilzt.  Die  Operation  muss  so  geleitet  werden,  dass  der
in  Freiheit  gesetzte  Phosphor  nicht  mit  Luft  in  Berührung  kommt,
was  zu  erreichen  eben  nicht  ganz  leicht  sein  dürfte  2 ).
ln  England  soll  der  „Sombrerit“,  der  sich  auf  den  Antillen,  namentlich ­
  auf  der  Insel  Sombrero,  in  grosser  Menge  findet,  zur  Gewinnung
des  Phosphors  verwendet  werden.  Derselbe  besteht  aus  49  6  Phosphorsäure, ­
  42'7  Kalk,  6'5  Thonerde  und  l'l  Wasser 3 ).
Auch  wird  daselbst  ein  Mineral  verarbeitet,  welches  aus  Westindien ­
  stammt  und  unter  dem  Namen  „Rondondophosphat  eingeführt
wird.  Die  Hauptbestandtheile  des  Minerals  sind  Thonerde  und  Phosphorsäure ­
  nebst  etwas  Eisen.  Spence  schliesst  dasselbe  durch  Kochen
mit  Schwefelsäure  auf,  nachdem  es  vorher  geglüht  und  fein  gepocht
wurde.  Durch  Einleiten  von  Ammoniak  aus  Gaswassern  wird  ein
Ammoniakalaun  gebildet,  den  man  durch  Krystallisation  von  der
Mutterlauge  leicht  trennt,  die  dann  hauptsächlich  phosphorsaui  es  Ammoniak ­
  enthält,  das  zur  Bereitung  von  künstlichem  Dünger  dient
Gerland  extrahirt  die  entfetteten  Knochen  mit  schwefliger  Säure
und  erwärmt  die  Lösung,  wobei  die  Phosphate  unter  Abscheidung  der
Säure,  die  wieder  verwendet  werden  kann,  gefällt  werden  4 ).  Dieses

i)  Monit.  scientif.  1869,  173.  2 )  Wagn.  Jahresber.  1869,  223.  3 )  Wagn.
Jahresber.  1862,  247.  Man  bat  es  auch  versucht,  dem  Kalkphosphat  ein
Eisenphosphat  zur  Gewinnung  des  Phosphors  zu  substituiren;  über  den  Ei  folg
ist  jedoch  nichts  Näheres  bekannt  geworden.  Es  ist  auch  nicht  wahrscheinlich, ­
  dass  auf  diesem  Wege  ein  günstiges  Resultat  erreicht  werden  kann
(s.  Minary  u.  Soudry  in  Wagn.  Jahresber.  für  1865,  775).  4 )  Bull.  Soc.
Chim.  II,  1864.

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