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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
rnasse für die gleiche Anzahl von Zündhölzchen beziehungsweise 1 Rink., 
2 Rmk. und 2 Rmk. 80 Pfg. kostet. 
Die fabrikmässige Erzeugung dieser Gattung von Zündhölzchen 
bildet ohne Zweifel den grössten Fortschritt, der seit dem Jahre 1862 
in diesem Industriezweige gemacht worden ist, und es wirft sich jetzt 
die Frage auf, in wie weit es ernste Pflicht der Regierungen geworden 
ist, den zahlreichen und gewichtigen Stimmen Gehör zu schenken, 
welche seit Jahren, leider vergebens, die Entfernung des gewöhnlichen 
Phosphors aus der Zündwaarenindustrie befürwortet haben. Halbe 
Maassregeln, wie die Verbesserung der Ventilation in den Fabriken, 
das Verbot Leim zur Anfertigung der Masse zu nehmen, weil mit 
solchen leimversetzten Massen warm gearbeitet werden muss, beseitigen 
das Uebel oft nur halb, oft gar nicht. Man hat die Gefahr für die 
Arbeiter dadurch zu vermindern gesucht, das^ man den Gehalt der 
Zündmasse an Phosphor auf ein Minimum herabzudrücken versucht 
hat. Von wie geringem Erfolge aber diese Bestrebungen bisher gewesen 
sind, ergiebt sich schon aus dem Umstande, dass auch jetzt noch in 
einzelnen Fabriken Massen mit einem Phosphorgehalte angewendet 
weiden, der den in Oesterreich üblichen, auch vollkommen ausreichenden, 
von 6 bis 7 p. C., weit übersteigt. 
Dr. Letheby hat vorgeschlagen, Terpentinöl zur Absorption der 
Phosphordämpfe anzuwenden, und zu dem Ende trägt in der Fabrik 
von Black & Bell zuStratford bei London, und seitdem auch in meh- 
ieien Pabriken Deutschlands, jeder Arbeiter ein Gefäss mit Terpentinöl 
auf der Brust. Aber auch dieser Vorschlag hat die schlimmen Folgen 
der Phosphordämpfe keineswegs beseitigt, weil die Absorption durch 
die Kleider und die Haut immer noch vorhanden bleibt. Auch ist es 
noch eine offene Frage, ob die allerdings für den Geruch unmerklich 
gewordenen, aber gleichwohl immer noch vorhandenen Phosphordämpfe 
durch die Einwirkung des Terpentinöls wirklich unschädlich geworden 
sind. Wie oft schaden nicht derlei Palliative in Wirklichkeit mehr 
als sie nützen! Im besten Glauben haben sich die Betheiligten in Sicher 
heit wiegen lassen, während die Gefahr unvermindert vorhanden ist'). 
Wenn Regierungen sich veranlasst finden, in einen technischen 
Betrieb einzugreifen, so muss dies jedenfalls mit grosser Vorsicht ge 
schehen, weil durch ein unzeitiges Vorgehen einzelne Uebelstände leicht 
vergrössert statt vermindert werden können. Die Frage scheint aber, 
da die Methode Zündhölzchen mit amorphem Phosphor in vollendeter 
Art zu erzeugen nun gefunden ist, nicht anders zu liegen als die der 
Beseitigung des giftigen Schweinfurter Grüns, welches die um das phy- 
') Sellr eingehend ist dieser Gegenstand in W. Jettel’s Schrift „Die 
Zündwaarenfabrikation in ihrer gegenwärtigen Ausbildung“, Braunschweig 
1871, bei Friedr. Vieweg u. Sohn, behandelt.
	        
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