240
Gruppe III. Chemische Industrie.
sich in Bergreichenstein. Ausserdem wurden kleinere Hilfswerkstätten
eingerichtet und zwar: für Erzeugung von Holzdraht und Papparbeiten
in Bergstadtl und Welhartitz; für Brettsägen in Scherlhof und Neuhnrkenthal.
Gegenwärtig beziehen zahlreiche in- und ausländische
Fabriken Holzdraht, Schachteln und dergleichen aus dem Böhmerwald.
In den genannten Fabriken sind 500 männliche und 700 weibliche
Arbeiter in den Etablissements, 600 männliche und 1200 weibliche
Arbeiter auswärts, also im Ganzen 3000 Personen beschäftigt und es
stehen drei Wasserräder mit zusammen 35 Pferdekräften zur Verfügung.
Mit diesen Mitteln werden jährlich 30 000 Ctr. Waaren im beiläufigen
Werthe von 1000 000 fl. erzeugt, von der 800 000 fl. auf den Export
nach Russland, der Levante, Ostasien und Amerika entfallen, welcher
durch eigene Depots auf überseeischen Handelsplätzen unterhalten wird.
An den im Jahre 1872 im Ganzen aus Oesterreich ausgeführten Zündwaaren
participirt die Firma Fürth mit nicht weniger als dem dritten
Theil.
Die seit dem Jahre 1835 bekannte Firma A. M. Pollak, welche
sich ebenfalls um die Begründung und Entwickelung der Zündholzindustrie
in Oesterreich in hohem Grade verdient gemacht hat, hat ihre
Fabriken und Betriebsstätten in Wien, Prag, Budweis und Christianberg.
Die Erzeugung von Phosphorhölzchen mit bunt lackirten Köpfen,
welche sich durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit auszeichnen,
wurde im Jahre 1847 eingeführt. Sie werden gegenwärtig
in beträchtlicher Menge nach Russland, dem Orient, nach Indien, China,
Japan und Aegypten versendet. Diese Firma wurde bereits auf der
Weltausstellung in London mit der grossen Preismedaille ausgezeichnet
und besteht in Folge der vorzüglichen Qualität ihrer Artikel die Concurrenz,
obwohl ihre Waare um 8 bis 10 p. C. höher im Preise steht
als die der übrigen Fabriken. Das Geschäft ist noch immer in raschem
Aufschwung begriffen, wie der Umstand zeigt, dass eben eine neue
Fabrik in Böhmen und eine zweite in Galizien errichtet wird.
Unter den minder umfangreichen Geschäften verdienen noch Ludwig
Achleitner in Salzburg und Adalbert Scheinost in Schüttenhofen
(Böhmen) genannt zu werden. Der Erstere wurde schon 1861 in London
und 1867 in Paris wegen seiner sogenannten Schnellzünder prämiirt, bei
welchen die Hölzchen oder Spähne sich schon beim raschen Herausziehen
aus dem Etui entzünden, daher der Name. Der Letztere ist wegen der mannichfachen
und geschmackvollen Formen, welche er seinen Zündwaaren
zu geben gewusst hat, bemerkenswerth. Beiläufig mag hier auch noch erwähnt
werden, dass der letztgenannte Aussteller auf seine Versuche zur
Wiedergewinnung des Phosphors aus den Zündhölzchen, die als Ausschuss
abfallen, aufmerksam gemacht hat. Der wiedergewonnene Phosphor betragt
ungefähr 1 p.C. des verwendeten. Früher wurde der Ausschuss
duick ^ erbrennen unschädlich gemacht. Dieser Ausschuss, welcher