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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe ITT. Chemische Industrie. 
Anderweitige Verwendungen des Phosphors. 
I 
Der Phosphor wird ausser zu Zündwaaren auch sonst theils als 
solcher, theils in Form zahlreicher Verbindungen noch in so vielen 
Fällen verwerthet, dass wir es uns versagen müssen, auch nur den 
Versuch zu machen, dieses ausgedehnte Capitel erschöpfend zu behan 
deln. Der wissenschaftliche Chemiker bedient sich dieses Elementes 
hei zahllosen Untersuchungen, wie z. B. zur Darstellung des Jodmethyls 
und Jodäthyls, welche durch die Arbeiten von A. W. Hofmann unent 
behrliche Hilfsmittel der Forschung geworden sind und ja auch in der 
Farbentechnik umfassende Verwerthung gefunden haben. Oft wird hierbei 
statt des gewöhnlichen, amorpher Phosphor gebraucht, weil in der Regel die 
Reactionen mit diesem weniger heftig vor sich gehen, als mit jenem. 
Auch in der Pharmacie spielt der Phosphor, hier aber zumal in 
seiner Sauerstoffverbindung, der Phosphorsäure, eine wichtige Rolle. 
So ist, um auch hier nur einige Beispiele anzuführen, die Phosphorsäure 
ein vorzügliches Mittel, dem Organismus das zur Blutbildung unent 
behrliche Eisen zuzuführen. Aus diesem Grunde ist pyrophosphor- 
saures Eisenoxyd, welches keinen tintenartigen und überhaupt nur einen 
sehr schwachen Geschmack besitzt, schnell ein beliebtes Arzneimittel 
geworden; im Eisensyrup von Grimault, im L ö fl und’ sehen Malz- 
extract und im Eisenzucker ist dieses Salz ebenfalls enthalten. Auch 
als Reagens auf manche Körper, welche dem Arzneischatze angehören, 
ist die Phosphorsäure wichtig. Nach Kratschmer und Nowak 1 ) 
ist sie das vorzüglichste Reagens auf Atropin; nach C. Scheibler 2 ) 
giebt es kein besseres Fällungsmittel für fast alle organischen Basen, 
als die Phosphorwolframsäure, eine Verbindung von Phosphor 
säure mit Wolframsäure, welche gleich gut verwendbar sein soll für 
wissenschaftliche wie für technische Zwecke. 
Von ganz besonderer Wichtigkeit ist aber der Fortschritt, welcher 
von Prof. E.N. Horsford in Cambridge (Nord-Amerika) mit Hilfe der 
Phosphorsäure in der Bereitung des Brodes ohne Hefe, also ohne 
Gablung, erzielt worden ist. Liebig 3 ) nennt diese Erfindung „eine 
der wichtigsten und segensreichsten, welche in dem letzten Jahrzehend 
gemacht wurden“. Professor Horsford, der bei seiner Anwesenheit 
in Wien wählend der Weltausstellung, für die er als Juror fungirte, 
sein Verfahren im Laboratorium des Berichterstatters auszuführen so 
gütig war, verfährt wie folgt. Weisse, gewaschene Knochenasche 
Kratschmer u. Nowak. Wien. Akad. Ber. H, 69. 2 ) Scheibler 
Dingl. pol. J. CCIX, 141. 3) Liebig, Ami. Chem. Pharm. CXLIX, 37; 
Wagn. Jahresber. 1869, 470. •'
	        
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