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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
bindet  den  unteren  Kaum  mit  der  Kühlung  und  lässt  Schwefel  auf  den
glühenden  Doppelrost  fliessen.  Der  sehr  rasch  verdampfende  Schwefel
durchdringt  den  glühenden  Coke  von  oben  nach  unten  und  entweicht
als  Schwefelkohlenstoff  nach  dem  Kühlapparat.
Nach  einiger  Zeit  sinkt  die  Temperatur  des  Coke  so  viel,  dass
sich  kein  Schwefelkohlenstoff  mehr  bildet,  dann  wird  der  Zufluss  des
Schwefels  und  die  Verbindung  mit  dem  Kühlapparat  unterbrochen,
die  Schornsteinklappe  und  der  Luftzutritt  zu  dem  Coke  dagegen  geöffnet..
Der  dann  in  der  Retorte  befindliche  Schwefelkohlenstoff  und  Schwefel  verbrennt, ­
  ein  Antheil  des  Coke  ebenfalls,  der  Ofen  erhitzt  sich  wieder,
es  wird  neuer  Schwefel  in  das  ringförmige  Gefäss  eingetragen,  Coke
nachgeworfen  und  das  Spiel  beginnt  von  Neuem.
Dieser  Apparat  würde  jedenfalls  ganz  vorzüglich  sein,  wenn  durch
die  Verbindung  von  Schwefel  mit  Kohlenstoff  Wärme  frei  würde
Leider  ist  es  aber  umgekehrt,  es  wird  Wärme  i)  gebunden,  so  dass  es
zu  oft  nothig  wird,  den  Luftzutritt  zu  erneuern.  Bei  jedem  Wechsel
geht  nun,  wenn  auch  gefährliche  Explosionen  nicht  Vorkommen,  da  der
Schwefelkohlenstoffdampf  hierbei  sich  sofort,  ehe  eine  schädliche
Mischung  mit  Luft  stattfinden  kann,  entzündet,  eine  erhebliche  Menge
Schwefel  verloren  oder  wird  doch  nur  als  Brennmaterial  verwendet.  ,
Daher  mag  es  kommen,  dass  der  Apparat  trotz  der  Vortheile,  die  er
den  anderen  gegenüber  hat,  für  diesen  Zweck  keine  Verbreitung  gefunden
hat.  Dass  er  sich  zur  Darstellung  von  Knochenkohle  *),  wozu  ihn  die  Patentinhaber ­
  ebenfalls  empfehlen,  besser  eigne,  wagt  Verfasser  zu  bezweifeln.
Kehren  wir  nun  zum  ursprünglichen  Apparat  zurück  und  sehen  wir,
wie  man  ihn  verbessert  hat  und  was  er  noch  zu  wünschen  übrig  lässt.
Ohne  Zweifel  sind  im  Anfang" 1  die  thönernen  Retorten  nur  deshalb
angewandt  worden,  weil  man  die  zur  Bildung  des  Schwefelkohlenstoffs
nothige  Temperatur  überschätzte.  Die  gusseisernen  Retorten  von  50
bis  75  mm  Wandstärke,  welche  man  jetzt  wohl  überall  anwendet,
halten,  wenn  sie  zweckmässig  eingemauert  sind,  so  dass  sie  nicht  zu
heiss  werden  können,  mehrere  Monate,  so  dass  man  aus  einer  Retorte,
welche  1000  bis  2000  Kg  schwer  ist,  20  000  Kg  und  mehr  Schwefelkohlenstoff ­
  bereiten  kann.  Dabei  verwandelt  sich  die  Retorte  unter
erheblicher  Vergrösserung  des  Volumens  fast  ganz  in  ein  in  verdünnter
Säure  sehr  schwer  lösliches  Schwefeleisen.  Bei  unzweckmässiger  Einmauerung ­
  oder  schlechter  Qualität  des  Eisens  kann  aber  eine  Retorte
auch  schon  in  wenigen  Tagen  unbrauchbar  werden.
Grösse,  Form  und  Anzahl  der  Retorten  hat  man  vielfach  verändert; ­
  man  hat  Retorten  bis  zu  1  m  Durchmesser  und  über  2  m  Höhe
angewandt  und  deren  1  bis  4  in  einen  Ofen  eingemauert,  aber  soviel

J )  Berthelot,  Wagn.  Jahresber.  1869,  172;  Compt.  rend.  LXVI1  1251
Q  Wagn.  Jahresber,  1858,  331.
            
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