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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

Gruppe III. Chemische Industrie. 
auszuglühen oder, wenn dies früher geschehen ist, sie doch in voll 
kommen geschlossenen Gefässen erkalten zu lassen. 
Kurz zusammengefasst kommt es also bei der Bereitung des 
Schwefelkohlenstoffs darauf an, eine dichte, also jetzt gusseiserne, Re 
torte mit recht reiner, d.h. höchst kohlenstoffreicher Holzkohle, oder mit 
Coke, möglichst gefüllt >), sehr gleichmässig bei mittlerer Rothgluth 2 ) zu 
erhalten und die Dämpfe von trockenem Schwefel zu der Kohle 
treten zü lassen und rechtzeitig die Rückstände der Kohle und des 
Schwefels aus dem Apparat zu entfernen. 
Reinigung. Der so gewonnene Schwefelkohlenstoff, sogenannter 
roher, findet als solcher keine Anwendung. Er enthält ausser 10 p. C. — oft 
noch mehr — freien Schwefels Schwefelwasserstoff und jedenfalls noch meh 
rere Körper, Verbindungen von Kohlenstoff, Schwefel und Sauerstoff, welche 
verdienten genau untersucht zu werden. Ohne Annahme solcher Körper 
wäre die sehr bedeutende Gasentwickelung und der bis 25 p. C. betra 
gende C erlust beim Destilliren des rohen Productes nicht zu erklären. 
Durch Destillation allein, selbst wenn man sie 20 Mal wiederholt, 
erhält man kein reines Product. Als daher Boniere 3) zur Bereitung 
von Extracten aus Gewürzen wirklich reinen Schwefelkohlenstoff oder 
doch solchen, der ohne Rückstand verdampft, nöthig hatte, construirte er 
einen Rectificationsapparat, in welchem der Schwefelkohlenstoffdampf 
nach einander Lösungen von Kaliumhydrat und Eisenoxydul- und Kupfer- 
salzen durchstreichen musste. 
S ey ff erth 4 ) erreichte auf Kosten der Quantität ein sehr gutes 
Product, indem er den Schwefelkohlenstoffdampf durch einen Regen 
frischen kalten Wassers niederschlug. 
Deiss 5 ) wendet zu demselben Zwecke Destillation mit Natrium 
hydrat, Chlorwasser und Chlorkalklösung an. Sidotempfiehlt Schütteln 
es reetificirten Schwefelkohlenstoffs mit reinem Quecksilber; Cloez 7 ) 
Schütteln mit % p. C. Sublimat und Destilliren mit 2 p. C. farblosen Fettes. 
Mi Hon endlich, nach einem Berichte von A. Commaille 8 ), erstrebt 
die Reinigung durch Destillation des Schwefelkohlenstoffs mit Kalkhydrat 
und Auf bewahren über Kupferdrehspänen, ein Verfahren, welches in 
dessen Wittstein 9 ) keine befriedigende Ergebnisse lieferte. 
Sehr reinen Schwefelkohlenstoff erlangt man durch vielfach wieder 
holtes Abdestilliren aus reinem Oel; so lange die Reinigung noch nicht 
vollständig ist, nimmt das Oel einen sehr widerwärtigen Geruch an 
und wird schwefelhaltig. Dadurch ist auch der Schwefelkohlenstoff 
Stein ’ 0 PoL Central«. 1869, 392. 2 ) Vergl. Sidot, Compt. 
ieud. LXIX, 1303.- 8 ) Boniere, Wagn. Jahresber. 1860, 446 4 ) Seyf- 
fertli Wagn. Jahresber. 1858, 138. 5 ) Deiss, Wagn. Jahresber. 1861, 162. 
) bidot, Wagn. Jahresber. 1870, 171 ; Compt.rend. LXIX, 1305. 7 ) Cloez 
Compt. rend. LXIX, 1356. 8 ) Commaille, Monit. so.ientif 1868, 601 
J Wittstein, Pol. Centralbl. 1869, 758.
	        
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