MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

C y a ii v e r b i n d u n g e n. 
Von Dr. Emil Meyer, 
Fabrikdirector in Berlin. 
In Bezug auf die Industrie der Cyanverbin düngen ist in der Zeit zwi 
schen den beiden letzten Weltausstellungen eine hervorragende, irgend 
wie umgestaltend wirkende Veränderung nicht bekannt geworden, so dass 
für diesen Theil der chemischen Technik nach jeder Richtung hin die 
bisherigen bekannten Verhältnisse als maassgebend angenommen wer 
den können. Das Hauptfabrikat dieser Gruppe, das gelbe Blutlaugen- 
saiz, bildet noch immer den Ausgangspunkt für die Darstellung der 
übrigen cyanhaltenden Verbindungen und findet als solches direct oder 
indirect zur Hervorbringung von blauen Farben bei den verschieden-' 
sten Industriezweigen mannichfaltige Verwendung. Die Fortschritte in 
der Fabrikation der Anilinfarben und des Ultramarins, sowie die in 
neuerer Zeit niedrigen und in Folge der geregelten Handelsverbindun 
gen weniger schwankenden Preise des Indigos haben noch mehr wie 
in fiuheren Jahren dazu beigetragen, die Anwendung des Berliner 
blaues zu verringern und den Preis des Blutlaugensalzes auf einen so 
niedrigen Stand herabzudrücken, dass dessen Fabrikation als nicht 
lohnend von vielen alten und bewährten Industriellen bedeutend ein 
geschränkt, ja theilweise ganz aufgegeben wurde. Ausserdem hat die 
Nachfrage seitens der Fabrikanten von künstlichen Düngstoffen den 
Werth der thienschen Abfälle immer mehr erhöht und dadurch die 
Fabrikation des Cyans noch schwieriger gemacht. Die überraschend 
plötzlich in den Jahren 1871 und 1872 vorübergehend eingetretene 
aussergewohnliche Preissteigerung (die für gelbes Blutlaugensalz circa 
80 p. C, für rothes fast 100 p. C. betrug) war die Folge eines ganz 
bedeutenden Bedarfs in der Färberei von gewissen schwarzen Seiden 
stoffen (die einen Beisatz von Cyanfarben erfordern); theilweise wurde sie 
auch herbeigeführt durch die hohen Preise von Horn, Potasche und durch 
die damals allgemeine Wertherhöhung aller Bedürfnisse. Jedoch folgten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.