Cyanverbindungen. - 8 *•
der kurzen Dauer dieses Aufblühens sehr bald noch ungünstigere Ver
hältnisse, als sie vorher bestanden hatten.
Die zahlreichen, in früherer Zeit vorgeschlagenen neuen Methoden
zur Darstellung der Cyanverbindungen, namentlich solche Methoden,
die den Stickstoff aus anderen als aus thierischen Quellen entnehmen,
haben keinen so einflussreichen Eingang in die Praxis gefunden, und
werden, so weit uns bekannt, nirgends in solchem Maasstabe benutzt,
dass man daraus eine Umgestaltung der ganzen Industrie ableiten
könnte. Das Verfahren von Possoz und Boissiere 1 ) und Anderen,
den Stickstoff der Luft, theilweise unter Anwendung von Baryt, m
Cyan überzuführen, harrt noch der technisch gewinnbringenden Losung
und ist selbst noch nicht bis zu dem fast wichtigeren Punkte gelang ,
die Gewinnung des Ammoniaks auf diesem Wege zu ermöglichen.
Das andere von Gelis’) vorgeschlagene Verfahren, ipit Hilfe von
Schwefelkohlenstoff und Ammoniak die Cyanverbindungen herzustellen
gestattet wohl die Fabrikation von Schwefelcyan-, aber nicht die technisch .
vorteilhafte Ueberführung der letzteren in FerrocyanVerbindungen. Mir
dann, wenn es möglich wäre, das Schwefelcyankahum anders, als auf
feurig«flüssigem Wege zu zerlegen und in Ferrocyankalium umzusetzen,
hätte das Verfahren Bedeutung. Das von Gelis angegebene Schmel
zen des Schwefelcyankaliums mit Eisen gelingt nicht in befriedigender
Weise. Ein grosser Theil des Cyans zersetzt sich während des Glühens
durch den Sauerstoff, der in dem zur Reduction dienenden metallischen
Eisen stets enthalten ist und nur ein kleiner Theil bildetCyankalium, das je
doch mit einem grossen Ueberschuss von Scbwefeleisen gemengt, nach dem
Erkalten eine rohe Masse bildet, welche nicht gehaltreicher und nie
billiger ist, als die nach dem alten Verfahren gewonnene Schmelze,
deren Ueberführung in Ferrocyankalium überdies die gleiche urnstan -
liehe Behandlung erfordert. Es bildet hier das Schwefelcyankahum
gewissermaassen einen Rohstoff, bei dem analog wie bei thierischen
Stoffen nur der hohe Gehalt an Stickstoff zur Geltung kommt, gleic i-
zeitig jedoch der vorhandene Schwefel anderweitige Nachtheile her
beiführt. , „ . .. ,•
Der Einfluss, welchen hoher Stickstoffgehalt auf eine günstige
Cyanbildung ausübt. hat (nachdem viel früher schon Karmrodt ) zur
besseren Ausnutzung das aus den Thierstoffen entwickelte Ammoniak
durch Leiten über glühenden Coke in Cyan Überzufuhren gesucht hat)
später Fleck 4 ) veranlasst, das Einträgen von Ammoniaksalzen in die
schmelzende Potasche statt der Thierstoffe zu empfehlen. Es ist jedoch
aus den mangelnden Erfolgen zu entnehmen, dass der hohe Gehalt
~7possoz u. Boissiere, Journ. of arts, London 1845 380. 2 ) G^lis,
Wa ' Tahresber 1863 321: Monit. scientif. 1864, 269. Vergl. auch A. W.
Hof mann, Reports by’the Juries, 62. 3) Karmrodt Verhandh Gewerhefleiss
1857 153; Wagn. Jahresber. 1857, 139. 4 ) Fleck, Dmgl.pol.J. CLX1X.209.