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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
und aufs Dringlichste zum Beginnen gründlicher, eingehender Versuche 
über diesen Gegenstand mahnen.“ 
Aber auch für die grössten Zweige der Metallurgie, für die Ge 
winnung des Eisens und Stahls haben gewiegte Techniker dem Sauerstoff 
gas, seitdem es wohlfeil geworden, auf das Wärmste das Wort geredet. 
Cameron 1 ) mahnt, Sauerstoff oder sauerstoffreiche Luft, wie sie 
aus Mailet’s Absorptionscylindern hervorgeht, statt gewöhnlicher 
Gebläseluft für Eisenhochöfen zu benutzen und hier ist es wohl am Platze, 
daran zu erinnern, dass die Absorption des Sauerstoffes in Wasser be 
reits unwillkürlich, wenn auch in verbesserungsfähiger Weise für diesen 
Zweck benutzt worden ist. Br. Kerl 2) hat darauf aufmerksam gemacht, 
dass die Luft aus Wassertrommelgebläsen sanerstoffreicher ist, als ge 
wöhnliche Luft. Auch ist bereits bemerkt worden, dass abgelagerte 
Holzkohlen energischer verbrennen als frische, weil erstere aus der Luft 
Sauerstoff absorbiren, und dass dieses Verhalten beim Frischen des 
Roheisens auf Herden in günstiger Weise zur Geltung kommt 3 ). 
Kuppelwieser 4 ) empfiehlt sauerstoffreiche Luft zum Bessemern 
von weissem Roheisen, und er hält dafür, dass der Preis des Tessie 
du Mo tay ’sehen Verfahrens nicht bedeutend reducirt zu werden brauche, 
um der Anwendung des Sauerstoffs für diesen Zweck Eingang zu ver 
schaffen. Eine grosse Zukunft scheint sich hier der Verwerthung des 
Sauerstoffs zu eröffnen! Dennoch darf der Einwand le Blanc’s 5 ) nicht 
unberücksichtigt bleiben, wonach die zu erhöhende Feuerbeständigkeit 
der Hilfsmaterialien den ökonomischen Vortheil in Frage stellen werde. 
Von den metallurgischen wenden wir uns den Beleuchtungszwecken 
des Sauerstoffs zu. Seitdem Drummon d 6 ) 1826 sein Hydrooxygenlicht 
erfand und es für Landmessungen und Leuchtthürme anwendete, wird 
Niemand an dem Werth des Sauerstoffs für diesen Zweck gezweifelt 
haben. Mit dem fallenden Preise des Sauerstoffs verbreitete sich seine 
Anwendung. Amerika zumal ging hier mit gutem Beispiel voran. 
Nicht nur für Leuchtthürme, Signale, Häuserbauten, sondern auch 
für Wasserbauten und für verschiedene Verwerthungen der Laterna 
magica fand H. Vogel’) im Jahre 1870 zu New-York den Sauerstoff 
in glücklicher Weise verwendet. Die Wasserbauten der damals in Aus 
führung begriffenen grossen Brooklyn-Brücke über den East river wurden 
durch 12 Hydrooxygenlampen erleuchtet, die täglich bis zu2000Cubik- 
fuss 8 ) Sauerstoff verzehrten. Statt der Kalkspitzen wurden mit grossem 
Vortheil die haltbareren Zirconkegel angewendet, und auch in Paris strahl- 
*) Cameron, Berg- u. Hüttemn. - Zeitung. 1871, 132. 2) Br. Kerl 
Grundriss der Hüttenkunde, I, 217. 3) j. pr _ C hem. CI 39y ' B ’ 
7 a e ^ 9 l r - e , Und ’M II T 1 ’ 4 ) Kuppelwieser, Berg- u. Hüttenm.-Zeitung. 
1873, 3o4. Le Blanc, Journ. f. Gasbel. 1872, 641. 6 ) Drummond On 
tlie means of iäcilitating the observation of distant stations in geodetical 
operations. Phil. Trans. 1826. ’) H. Vogel, Ber. Chem. Ges. III, 901. 
) In Vogel’s Bericht ist irrthümlich Cubikmeter gedruckt.
	        
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