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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
gelatinösen Niederschlage an, welcher bei der Zersetzung von Fluor 
oder Chlorsilicium durch Wasser sowie durch Ansäuern einer Alkali 
silicatlösung hervorgebracht wird. Man kann diese Säure aber nicht 
isoliren, da sie die grösste Neigung zur Anhydridbildung zeigt. Ein 
erstes Anhydrid wird erhalten, wenn 2 Mol. Si(OH) 4 1 Mol. Wasser 
entzogen wird. Es entsteht dann eine sechsbasische Säure von der 
Constitution 
OH OH 
I I 
OH—Si—0—Si—OH, 
I I 
OH OH 
welche Ebelmen durch die Einwirkung feuchter Luft auf Kieselsäure- 
Aethyläther dargestellt hat. Wenn wir einem Mol. Si (0H) 4 1 Mol. 
Wasser entziehen, so haben wir ein zweites Anhydrid, eine zweibasische 
OH 
Säure von der Zusammensetzung 0=Si/ . Sie wurde von Gra- 
OH 
harn durch Verdunsten im Vacuum von reiner durch Dialyse erhaltener 
Kieselsäurelösung erhalten. Nach Analogie der ganz ähnlichen Ver 
hältnisse bei der Phosphorsäure sind diese drei Säuren Ortho-, Para-, 
Meta-Kieselsäure genannt worden. Die Metakieselsäure, deren Consti 
tution diejenige der Carbonate bildenden Kohlensäure ist, wird am 
häufigsten in den Silicaten, den Kieselsäuresalzen, angetroffen. Wenn 
endlich die Orthokieselsäure 2 Mol. Wasser verliert, so ensteht das Kiesel 
säure-Anhydrid, Si0 3 , die Kieselerde. In dieses, welches bekanntlich 
sehr verbreitet in der Natur vorkommt, gehen alle Kieselsäuren beim 
Glühen über. 
Die grosse Schaar der Kieselsäureverbindungen, welche an Mannich- 
faltigkeit den Salzen der organischen Säuren fast gleichkommt, welche 
die grosse Mehrzahl der in der Natur vorkommenden Mineralien aus 
macht, lasst sich den eben erwähnten drei Säuren nicht vollständig 
unterordnen. Welche Arten von Kieselsäure sind hiernach in den 
Silicaten noch vorhanden? Es kann sich die Anhydridbilduug in der 
Weise äussern, dass ein oder mehrere Molecule Orthokieselsäure ein oder 
mehrere Molecule Wasser verlieren. Dadurch können zahlreiche Silicium 
hydrate abgeleitet werden, die von Wurtz i), der diese Silicattheorie 
zuerst aufgestellt hat, allgemein Polykieselsäuren und je nach der An 
zahl der in ihnen enthaltenen Siliciumatome Mono-, Di-, Tri- etc. 
Kieselsäuren genannt worden sind. 
Wir könn en uns in dieser Weise z. B. folgende Säuren construiren: 
'j Wurtz, Lei;ons de Philosophie chimique, p. 180.
	        
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