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Siliciumverbindungen.
2 Si (0 H) 4 —H ä 0 = (0 H) 3 Si—0—Si (0 H) 3 = Si 2 H 6 0 7
(Parakieselsäure)
0
2Si(OH) 4 —2H S 0 = (0H) s Si/ Nsi(0H) 2 = Si 2 H 4 0 6
x o x
2 Si(0H) 4 —3 H 2 0 = (OH)—0—Si—0—Si—0—(OH) = Si 2 H 2 0 5
3 Si (0 H) 4 —2 H 2 0 = (0 H)j Si—0—Si (0 H) 2 —0—Si (0 H) 3 = Si 3 H 8 Oi 0 .
u. s. w.
Diese Polykieselsäuren sind nach der allgemeinen Formel
mSi (0H) 4 —nII 2 0 zusammengesetzt. Wenn man für m und n jede
beliebige ganze Zahl setzen darf, so ist es nicht schwer, nach diesem
Schema für jedes natürliche Silicat die entsprechende Kieselsäure zu
construiren, und von diesen können alle möglichen und unmöglichen
Silicate abgeleitet werden. Die Kenntniss von der Structur der Silicate
wird durch diese Hypothese also nicht sehr gefördert, zumal fast alle
der angenommenen Kieselsäuren in Wirklichkeit unbekannt sind.
Es hat nicht an ferneren Bemühungen gefehlt, die chemische
Constitution der Kieselsäuremineralien zu ergründen. So hat
Tschermak 1 ) die Structur des Feldspaths ermittelt. Vor Kurzem
hat Haushofer 2 ) die Constitution der Silicate nach den Ansichten
der modernen Chemie entwickelt. Er geht aus von der am häufigsten
in den Silicaten auftretenden Metakieselsäure, welche den Carbonaten
entsprechende Salze bildet, SiR0 3 (Enstatit). Durch Zugabe von KO
resp. 2 RO gelangt er von diesen normalen zu den Halb- und Drittel-
Silicaten
0 0 0 0—R
r/ NsiN Nr (Olivin) und r/ Nsi/ No (Chondrodit);
' (/ \ / \r o—r
durch Zugabe von Si0 2 zu dem Doppelsilicat
0=Si—0
1
Si 2 R 0 5 0 yR
o=k—o
(im Petalit, Sphen und Eudialyt).
Diese einfachen Silicate treten nun nicht nur unter einander, son
dern auch als Multipla mit einzelnen Atomgruppen der Form Si0 2 ,R 2 0,
RO und (R 2 ) t, 0 3 in Verbindung. Durch diese Annahme, welche durch
l) Tschermak, DieFeldspathgruppe, Berichte der Wiener k. Akademie,
Bd. L 8. 58; Tschermak, Die Aufgaben der Mineralchemie in: Minera
logische Mittheilungen 1871, 2. Heft, S. 93; vergl. auch: V. v. Wartha
Ueber die Formulirung der Silicate (Ber. der Ungar. Akademie der Wiss. 1868).
2 ) Haushofer: Die Constitution der natürlichen Silicate. Braunschw. 1874.
Wiener Weltausstellung. III, 10