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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Siliciumverbindungen. 
2 Si (0 H) 4 —H ä 0 = (0 H) 3 Si—0—Si (0 H) 3 = Si 2 H 6 0 7 
(Parakieselsäure) 
0 
2Si(OH) 4 —2H S 0 = (0H) s Si/ Nsi(0H) 2 = Si 2 H 4 0 6 
x o x 
2 Si(0H) 4 —3 H 2 0 = (OH)—0—Si—0—Si—0—(OH) = Si 2 H 2 0 5 
3 Si (0 H) 4 —2 H 2 0 = (0 H)j Si—0—Si (0 H) 2 —0—Si (0 H) 3 = Si 3 H 8 Oi 0 . 
u. s. w. 
Diese Polykieselsäuren sind nach der allgemeinen Formel 
mSi (0H) 4 —nII 2 0 zusammengesetzt. Wenn man für m und n jede 
beliebige ganze Zahl setzen darf, so ist es nicht schwer, nach diesem 
Schema für jedes natürliche Silicat die entsprechende Kieselsäure zu 
construiren, und von diesen können alle möglichen und unmöglichen 
Silicate abgeleitet werden. Die Kenntniss von der Structur der Silicate 
wird durch diese Hypothese also nicht sehr gefördert, zumal fast alle 
der angenommenen Kieselsäuren in Wirklichkeit unbekannt sind. 
Es hat nicht an ferneren Bemühungen gefehlt, die chemische 
Constitution der Kieselsäuremineralien zu ergründen. So hat 
Tschermak 1 ) die Structur des Feldspaths ermittelt. Vor Kurzem 
hat Haushofer 2 ) die Constitution der Silicate nach den Ansichten 
der modernen Chemie entwickelt. Er geht aus von der am häufigsten 
in den Silicaten auftretenden Metakieselsäure, welche den Carbonaten 
entsprechende Salze bildet, SiR0 3 (Enstatit). Durch Zugabe von KO 
resp. 2 RO gelangt er von diesen normalen zu den Halb- und Drittel- 
Silicaten 
0 0 0 0—R 
r/ NsiN Nr (Olivin) und r/ Nsi/ No (Chondrodit); 
' (/ \ / \r o—r 
durch Zugabe von Si0 2 zu dem Doppelsilicat 
0=Si—0 
1 
Si 2 R 0 5 0 yR 
o=k—o 
(im Petalit, Sphen und Eudialyt). 
Diese einfachen Silicate treten nun nicht nur unter einander, son 
dern auch als Multipla mit einzelnen Atomgruppen der Form Si0 2 ,R 2 0, 
RO und (R 2 ) t, 0 3 in Verbindung. Durch diese Annahme, welche durch 
l) Tschermak, DieFeldspathgruppe, Berichte der Wiener k. Akademie, 
Bd. L 8. 58; Tschermak, Die Aufgaben der Mineralchemie in: Minera 
logische Mittheilungen 1871, 2. Heft, S. 93; vergl. auch: V. v. Wartha 
Ueber die Formulirung der Silicate (Ber. der Ungar. Akademie der Wiss. 1868). 
2 ) Haushofer: Die Constitution der natürlichen Silicate. Braunschw. 1874. 
Wiener Weltausstellung. III, 10
	        
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