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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

Sauerstoff. 
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ten das Theätre de la Gatte und das Alcazar durch sie in feenhaftem Glanze. 
Das Opernhaus ■) in New-York beleuchtete damit unter Anwendung eines 
starken Linsensystems ein Diagramm von circa 10 qm auf einem 
Schirm von feuchter Mousseline, während die Lampe im Hintergründe 
der Bühne in 25 m Entfernung stand und grosse Wirkung hervor 
brachte. Die Laterna magica hat sich mit Hilfe dieser Beleuchtung in 
Amerika für die Projection von Apparaten, Glasphotographien und 
Zeichnungen in grossen Vorlesungssälen eingebürgert, besonders seitdem 
Outerbridge J ) gelehrt hat, dünne Gelaflineplatten für die Herstellung 
von Bildern durch Federzeichnung oder Lithographie herzustellen. Die 
Wirkung erklärt sich leicht, wenn man bedenkt, dass die Hydrooxygen- 
flamnie eine Leuchtgasflamme von demselben Gasverbrauch an Helligkeit 
16 1 / 2 ma l übertrifft. 
Die tägliche Production der New-York Oxygen C ompany betrug 
1870 täglich 30000 Cubikfuss (850 cbm). Die Versendung des Sauerstoffs 
geschieht daselbst in eisernen Cylindern (Patent von Robert Grant in 
New-York) von 9Zoll(23ctm) Durchmesser und 30Zoll (76 ctm) Länge, die 
unter einem Druck von 20 bis 30 Atmosphären mit Sauerstoff gefüllt werden. 
Der Cylinder wird mit 1 Dollar pr. Cubikfuss (35 Dollars pr. cbm) verkauft, 
inclusive des unter gewöhnlichem Druck dann enthaltenen Sauerstoffs, 
der Sauerstoff bei Neufüllung mit 5 Cents (etwa 2 Sgr.) pr. Cubikfuss 
(l 3 /4 Dollars pr.cbm) unter demDruck einer Atmosphäre 2 ), ein übertrieben 
hoher Preis, welcher den oben von Kuppelwieser angeführten Kostenpreis 
um mehr als das Zweiundzwanzigfache übersteigt, obgleich auch in New- 
York Tessie du Motay’s Methode zur Anwendung gelangt ist. 
Die Sauerstoffbeleuchtung für Plätze und Strassen zu benutzen, 
ist seit 1867 von Tessie du Motay versucht worden. Die Plätze vor 
den Tuilerien und vor dem Hotel de Ville strahlten damals im Lichte, 
welches Zirkonstifte 3 ) unter dem Einflüsse von Leuchtgas und 
Sauerstoff abgaben. Unbeständigkeit der Flamme und Höhe des Preises 
Hessen ihn darauf zur Carburirung des Wasserstoffgases und Leuchtgases 
übergehen, indem das Gas vor dem Eintritt in den Brenner an jeder 
Laterne ein Gefäss mit schweren Kohlenwasserstoffen passirt. So wurden 
die Boulevards zwischen Rue Drouot und Rue Scribe mit / 0 Sauei stoff- 
brennern beleuchtet. Auch diese Methode ward aufgegeben, uhi die 
Bereitung eines sehr kohlereichen Gases an Stelle des gewöhnlichen 
Leuchtgases zu unternehmen und dieses mit Sauerstoff zusammen zu 
verbrennen. In dieser neuen Form trat das Verfahren dem Besucher 
der Wiener Ausstellung am Kaiserin-Elisabeth-Westbahnhof entgegen. 
1) Morton, Journal of the Franklin Institute LIII, LIV, LV ; siehe 
auch Vogel am angeführten Ort. 
2 ) Deutsche Gewerbezeitung 1867, 18, siehe auch Vogel a. a. O. 
3) Gebrannte Zirkonerde mit borsäurehaltigem Wasser angeknetet und 
bei Rothgluth in eisernen Formen gebrannt, s. Philipps a. a. O.
	        
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