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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

296  Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
sechsfache  Gewicht  des  Glases  an  Nasser  im  Kochen  befindet,  portionenweise ­
  eingetragen  und  endlich  so  lange,  etwa  3  bis  4  Stunden,  unter
öfterem  Ersatz  des  verdampfenden  Wassers  gekocht,  bis  Alles  gelöst
ist  und  auf  der  Oberfläche  eine  fadenziehende  Haut  sich  zeigt 1 ).  Wenn
Schwefelkalium  in  der  Lösung  ist,  so  wird  dasselbe  durch  Zusatz  von
Kupferoxyd  entfertit.  Der  Zusatz  von  Kohle  soll  die  vollkommene
Austreibung  der  Kohlensäure,  deren  Gegenwart  später  von  Nachtheil
ist,  durch  Reduction  derselben  zu  Kohlenoxyd  bewirken  und  ausserdem
die  Schmelzung  beschleunigen.
Für  die  Bereitung  des  Natriumwasserglases  giebt  v.  Fuchs
folgende  Vorschrift:  45  Thle.  Quarz,  23  Thle.  wasserfreies  Natriumcarbonat, ­
  3  Thle.  Holzkohlenpulver  sind  zusammenzuschmelzen.  Nach
Büchner 2 )  ist  ein  Gemenge  von  100  Thln.  Quarz,  60  Thln.  wasserfieien
  Glaubersalzes,  15  bis  20  Thln.  Holzkohlenpulvers  wohlfeiler.
0.  Schür 3 )  in  Stettin  giebt  folgende  Vorschriften  zur  Darstellung ­
  von  Natron-  fesp.  Kaliwasserglas  nebst  Preisangabe:
I.  Natronwasserglas.
90  Kg  weisser  Sand  (mit  99  p.  C.  Kieselsäure)  2*70  Rmk.
50  „  weisse  Jarrowsoda  zu  52  p.  C.  .  .  .  15*00  „
1'5  „  pulverisirte  Holzkohle  0*30
141  5  Kg  18'00  Rmk.
Dies  Gemisch  lieferte  ihm  112*5  Kg  Wasserglas.

II.  Kaliwasserglas.
90  Kg  weisser  Sand  2*70  Rmk.
62*5  „  ordinäre  Potasche  zu  90  p.  C  33*75  „
1*5  „  pulverisirte  Holzkohle  0*30
154  %  36*75  Rmk.
Dies  Gemisch  lieferte  112*5  bis  115*0  Kg  Wasserglas.
Eine  Methode,  die  weniger  kostspielig  ist,  als  das  Schmelzen  von
Soda  mit  Kieselerde  ist  die  folgende  von  Gossage 4 )  aufgefundene.
Es  ist  eine  längst  bekannte  Thatsache,  dass  Kochsalz  bei  hoher  Temperatur ­
  in  Gegenwart  von  Wasserdampf  durch  Kieselsäure  unter  Bildung
von  Wasserglas  und  Entwickelung  von  Salzsäure  zersetzt  wird.  Diese
Operation  führt  Gossage  in  einem  Schachtofen  aus,  in  welchem
Feuerstein  durch  die  Fenerungsgase  eines  seitlich  angebrachten  Feuers

J )  W.  Stein,  Die  Glasfabrikatiou.  Braunschw.  S.  9.  2 )  Büchner,
Ding],  pol.  J.  CXLIII,  45.  s )  O.  Schür,  Praxis  der  Hohlglasfabrikation.
Berlin  1867;  Wagn.  Jahresber.  1867,  344.  4 )  Gossage,  Bull.  Soc.  d’Encour.
1867,  478;  Dingl.  pol.  J.  CLXXXVI,  245.
            
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