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Siliciumverbindun gen.
erhitzt wird. Als Feuerung dient ebenfalls ein Schachtofen , der mit
Holzkohle gefüllt ist und der mit heissem und wasserdampfgeschwän
gertem Winde betrieben wird. Die Flamme streicht, ehe sie in den
zweiten Ofen tritt, über eine Lage Kochsalz. Dies verflüchtigt sich,
und so mit Kochsalzdämpfen und Wasser beladen, gelangen die Feuer
gase in den oberen Theil des mit Flint gefüllten Ofens, den sie nach
unten durchstreichen. Der Flint wird allmählich aufgelöst, das gebil
dete Wasserglas fliesst in dem Ofen nieder und wird durch eine unten
angebrachte Oeffnung abgelassen, während die gebildete Salzsäure durch
eine zweite Oeffnung, mit den Verbrennungsproducten gemengt, den
Condensationsgefässen zugeführt wird. Die Flints werden m dem
Maasse, als sie verschwinden, von oben nachgefüllt, der Process ist ein
continuirlicher, analog dem Hohofenprocess. Das so gewonnene Wasser
glas soll besonders zur Erzeugung von Soda dienen (s. unten S. dl j.
Nach einem ähnlichen Princip stellt A. Engerer 1 ) ein sehr
kieselsäurereiches Natriumsilicat für die Glasfabrikation dar. Er benutzt
einen Flammofen, dessen Sohle aus feuerfesten Backsteinen von beinahe
reinem Quarz besteht, welche lose ohne Bindemittel zusammengestellt
sind Die Fugen werden mit feinerem Quarzsand ausgefullt. Diese
Steine stehen unter einem Blechkasten auf einer Schicht Kies. In den
Kasten wird durch eiserne Röhren Wasserdampf geleitet, welcher, durch
den Blechkasten beschränkt, die Beschickung gleichmassig durchdringt.
Sobald der Ofen zu dunkler Rothgluth erhitzt ist, wird ein Gemisc
von 1 Thl. Kochsalz und 2 Thln. Glassand 7'5 bis 10 cm hoch auf dein
Herde ausgebreitet. Durch die Röhren wird dann Dampf unter die
Herdsohle geleitet. Es entwickeln sich alsbald reichliche Mengen von
Salzsäure. Wenn diese Entwickelung aufgehört hat, wird der Ofen
entleert. Nach etwa einer Stunde ist dies der Fall. Die Beschickung
ist dann zu einer zusammengebackenen, krümlichen Masse geworden.
Dieses Natriumsilicat soll besonders ein für die Glasfabrikation sehr
brauchbares Material sein. (Yergl. unten S. 312.)
Ein anderer Weg zur Darstellung von Natronwasserglas wird in
der Fabrik von Kuhlmann in Lille eingeschlagen Feuerstem-
pulver wird in eisernen Kesseln unter einem Druck von / bis b Atmo
sphären in starker Natronlauge gelöst. Auch Liebig, der ebenso wie
Kuhlmann den hohen Werth des Wasserglases mit dem ihm
eigenen umfassenden Blick von vornherein erkannte beschäftigte sich
mit der Darstellung desselben auf nassem Wege. Er empfahl als ein
unübertreffliches Material dazu die Infusorienerde, die zwischen 8 und
90 p C. reiner Kieselerde enthaltenden fossilen Panzer von Bacillarien
und anderen mikroskopischen Infusorien, wovon ein grosses Lager bei
i) A. Ungerer, Dingl. pol. J. CXCVII, 343; Wagn.
. Jaliresber. 1870, Ü76.