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Gruppe III. Chemische Industrie.
Alsdann lässt man dieselbe zwei Tage lang mit einer Lösung von Natronwasserglas
in Berührung. Letztere wird aus einem weichen Mineral
von etwa 25 p. C. Kieselsäuregehalt bereitet, von dem sich eine bedeutende
Ablagerung in der Kalksteinformation bei Farnham in Surrey
findet und welches von kalter Natronlauge leicht gelöst wird. Wird
nun die Natronlauge mit dem Pulver dieses Steins und dem Gemisch
von Granit und Cement znsammengebracht, so absorbirt der Cement
die Kieselsäure aus dem Wasserglas, das frei werdende Natron aber
löst gleich wieder Kieselsäure aus dem Farnhamsteine. Es ist also das
Natron das Vehikel, welches die Kieselsäure des Farnhamsteins auf den
Cement überträgt. Das erzeugte Product führt den Namen „Victoriastein“
oder „versteinerter Concret“ und findet seine hauptsächliche
T erwendung zu Fliesen, Bausteinen, Gossensteinen, Kaminsimsen, Thürschwellen,
Treppenstufen und dergleichen; für feinere Gegenstände
ist es weniger geeignet. Als Pflaster in 5 cm dicker Schicht hat es
sich in London und anderen Städten sehr gut bewährt. Die Festigkeit
des ^ ictoriasteines ist einige Monat nach der Herstellung bedeutend
grösser als kurz nach derselben.
Wie man nun in beschriebener Weise mit Hilfe von Wasserglas
künstliche Steine hergestellt hat, so hat man auch durch einfachen
Anstrich damit Steinen und Mörtelwänden eine grössere Festigkeit
gegeben. In Bezug auf erstere ist dies namentlich für Kunstsachen,
für öffentliche Denkmäler nicht ohne Wichtigkeit. In einem Berichte
des Generaldireetors der königlichen Museen zu Berlin, von Olfers,
an das Handelsministerium aus dem Jahre 1864 wird die Prüfung von
Proben von Granit, Marmor und Sandstein mitgetheilt, welche acht
Jahre vorher mit Wasserglaslösung behandelt waren. Zur besseren
Prüfung waien die Steintafeln streifenweise von Wasserglas frei gelassen.
Dabei hat sich herausgestellt, dass die ursprüngliche Farbe an den
getiänkten Stellen sich heller und reiner erhalten hatte. Der Unterschied
in Bezug auf Härte war allerdings kein bedeutender. Die
Mai moi denkmäler der Generäle Bülow und Scharnhorst in Berlin sind
1856 resp. 1858 mit Wasserglaslösung getränkt und haben sich, wie
v. Olfers berichtet, besser als andere' Marmorstatuen gehalten. Die
Marmorfiguren von Zieten und Fürst Leopold von Dessau, welche früher
den Wilhelmsplatz■ in Berlin schmückten und bei ihrer Ersetzung durch
Bionzedenkmäler in das Cadettenhaus übergeführt wurden, waren im
Jahre 1856 mit Wasserglaslösung getränkt. Bei einigen nach ihrer
Uebersiedelung nothwendig gewordenen Reparaturen zeigte die Oberfläche
eine sehr grosse Härte. Die Marmorgruppen auf der Schlossbrücke
zu Berlin sind im Jahre 1861 mit Wasserglas behandelt,
Ziegelsteine der St. Michaeliskirche daselbst, welche 1860 getränkt
wurden und der Witterung voll ausgesetzt sind, zeigen noch jetzt eine
sein harte Oberfläche, welche der Witterung vollkommen widerstanden