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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

Sauerstoff. 
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Röhrenleitung zu unterhalten. Diese Urtheile stehen diametral denen 
von Schiele gegenüber, welcher das neue Beleuchtungsverfahren warm 
empfiehlt 1 ), aber sie stimmen sehr nahe überein mit denen, welche 
le Blanc etwa ein Jahr früher in einem Bericht 2 ) der städtischen 
Gasverwaltung von Paris gegenüber ausgesprochen hatte. 
Dieser Bericht ging aus ausführlichen Untersuchungen der Herren 
Peligot, Lamy, Troost, de Mondesir und le Blanc hervor, welche 
der Seinepräfect im Jahre 1869 zu einer Commission vereinigt hatte. 
Dieselben unternahmen Prüfungen des Verfahrens auf dem Opernplatz 
sowohl wie im Innern des Laboratoriums, indem sie gewöhnliches Gas, 
Boghead-Gas, und mit flüssigen Kohlenwasserstoffen nach verschiedenen 
Systemen gesättigtes Gas mit etwa der Hälfte seines Volumens an Sauer 
stoff in verschiedenen Brennern verbrannten. Sie kamen zu der Ent 
scheidung, dass auf gleiche Lichtstärken berechnet das Tessie du 
Motay’sche Verfahren fast immer kostspieliger, meist doppelt so theuer 
sei, als die gewöhnliche Beleuchtung. Nur in einem Falle, wo die 
flüssigen Kohlenwasserstoffe der Boghead-Kohle in der Weise zum Car- 
buriren benutzt wurden, dass man sie nach dem Leveque’sehen 
Verfahren von Dochten aufsaugen Hess, über welche das Gas strich, 
ergab sich, und zwar nur bei Benutzung grosser Brenner, also Erzeugung- 
grosser Lichtmengen, dass der Preis des neuen Verfahrens doppelt so 
wohlfeil erschien, als der der gewöhnlichen Beleuchtung. Hierbei nahm 
man jedoch alle Voraussetzungen an, welche die Gesellschaft lessie du 
Motay über den Preis des Sauerstoffs, der Carburirung u. s. w. mit 
theilte. In Wahrheit stellte sich aber heraus, dass bei diesem Ver 
suche 1 cbm Gas nicht 50 g flüssige Kohlenwasserstoffe aufnahm wie die 
Gesellschaft es angab, sondern 266 g, wodurch die Oekonomie min 
destens fraglich wurde. Was die Lichtstärke anlangt, so gelang es, 
sie auf die drei- bis siebenfache Höhe der Leuchtgasflammen zu bringen. 
Aber Bogheadgas kann in passenden Brennern auch ohne reinen Sauer 
stoff die dreifache Lichtmenge liefern und für die meisten Zwecke wird 
zudem grosse Intensität des Lichts nicht gewünscht, vielmehr durch 
passende Glocken oder Schirme bis um 30 p.C. vermindert. 
Die Commission kam deshalb zu der Entscheidung, der Municipalität 
von Paris abzurathen eine Sauerstoffröhrenleitung zu gestatten: es 
vielmehr der Gesellschaft zu überlassen, den verhä.ltnissmässig wenigen 
Personen, welche ein intensives Licht bedürfen, Sauerstoff und kohle 
reiches Gas in transportablen Gasometern zu liefern. 
Die in Brüssel erreichten Resultate stellten sich nicht günstiger. Die 
Sauerstoffbeleuchtung ward hier im letzten Jahre in einigen Kaffee- 
!) Schiele, Journal f. Gasbeleuchtung. Januar 1873. 2 ) Rapport de 
M.Felix leBlanc surlenouvel öclairage oxhydrique. Paris 1872. Kurze Aus 
züge im Journal f. Gashel. 1872, 641. 
Wiener Weltausstellung, in. 
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