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Siliciumverbindungen.
eine Folge der physikalischen Beschaffenheit ihrer Flächen, so muss angeätztes
Glas dieselben oder ähnliche Resultate geben wie die Kieselsäure
selbst. Und das ist in der That der Fall. Mit Flusssäure matt
geätztes Glas nimmt die Anilinfarben ebenso auf, wie die Kieselsäure,
ja die angeätzten Stellen können sogar durch Beizen mit adjectiven
Farben gefärbt werden. Die Färbung erscheint wegen der geringen
Ausdehnung der geätzten Schicht heller, sie ist aber ebenso beständig,
als die bei der Kieselsäure beobachtete.
Wenn auch die technologische Wichtigkeit der Kieselsäure und
der Silicate von keiner anderen Siliciumverbindung erreicht wird, so
müssen wir doch einer Verbindung dieses Elements, der Kiesel fl uoiwasserstoffsäure,
und ihrer Derivate mit einigen Morten Erwähnung
thun, da sie in neuerer Zeit nicht ohne Bedeutung für die chemische
Technik geblieben sind.
Das Fluorsiliciumgas wurde schon von Scheele beobachtet; auch
Priestley erhielt es, verwechselte es aber mit Flusssäure (fiuov (leid oif ):
erst Gay-Lussac und Thenard ermittelten seine Natur und Zusammensetzung.
Es entsteht immer, wenn Fluorwasserstoffsäure mit Kieselsäureanhydrid
oder Silicaten zusammentrifft. Man könnte nun meinen,
das Fluorsilicium, SiF 4 , zersetze sich nach Analogie des Chlorsiliciums,
Si Cl 4 , mit Wasser wiederum in Fluorwasserstoffsäure und Kieselsäure.
In der That wird Kieselsäuregallerte abgeschieden, sobald Fluorsilicium
und Wasser zusammen kommen, allein es entsteht nicht Flusssäure,
sondern Kieselfluorwasserstoffsäure nach der Gleichung:
3 Si F 4 -f- 4 H 2 0 = Si(OH) 4 + 2H 2 SiF 6 .
In den Laboratorien stellt man sich die Kieselflusssäure stets durch
Einleiten von Fluorsiliciumgas in Wasser dar. Die Darstellung des
Fluorsiliciums aus Kieselerde, oder einem Silicat und Flussspath durch
Intervention von Schwefelsäure zeigt sich aber im Grossen, auch wenn
man statt des natürlichen Flussspaths das bei der Kryolithverarbeitung
abfallende Fluorcalcium oder Kryolith selbst anwendet, nicht gut ausführbar.
Die Eigenschaften der Kieselfluorwasserstoffsäure, besonders
die merkwürdige Tbatsache, dass sie gerade mit den Metallen, welche
mit fast allen anderen Säuren leicht lösliche Salze bilden, nämlich mit
den Alkalimetallen, schwer lösliche Verbindungen liefert, machen ihre
technische Darstellung in hohem Grade wünschenswerth. Es ist besonders
das Kieselfluorkalium, welches sich durch seine Unlöslichkeit
auszeichnet, so dass die Kieselfluorwasserstoffsäure ein Mittel an die
Hand giebt, Kalium von Natrium und Magnesium zu trennen. Auch
das Kieselfluorbarium ist schwer löslich, während das Kieselfluorstrontimn
sehr löslich ist.
Nun hatten Gay-Lussac und Thenard bei ihren Untersuchungen
über die Zusammensetzung des Flussspaths diesen mit geschmol-