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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

320

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
fluorwasserstoffsäure  in  der  Glas-  und  Porcellanfabrikation.  Sie
wollen  bei  der  Bereitung  des  Glases  anstatt  des  gewöhnlichen  Kalks
Kieselfluorcalcium  allein  oder  neben  Kieselfluorbarium  verwenden;  auch
anstatt  des  kohlen  sauren  Kaliums  sei  zweckmässig  Kieselfluorkalium  zu
nehmen.  Weit  wichtiger  noch  sei  die  Substitution’der  Borsäure  durch
Kieseiflusssäure  in  ihrer  Verbi  nduug  mit  Kalk,  Thonerde  un  d  anderen  Basen
in  der  englischen  Thonwaarenindustrie.  Diese  Anwendung  der  Kieselfluormetalle ­
  in  der  Glasindustrie  und  Keramik  dürfte  aber  wegen  der  Entwickelung ­
  von  Fluorsiliciumdämpfen  beim  Schmelzen,  worauf  auch
F.  Stolba  aufmerksam  macht 1 ),  sich  nicht  wohl  ausführen  lassen.
Dass  die  Kieselflusssäure  zur  Herstellung  künstlicher  Steine,  zur
Fixation  der  Farben  in  der  Stereochromie,  zur  Fabrikation  der  Weinsäure, ­
  als  Surrogat  dieser  Säure  sowie  als  Beizmittel  anstatt  des  Kuhkothbades
  in  der  Färberei  und  dem  Zeugdruck,  zum  Weisssieden  der
Stecknadeln,  zum  Entkalken  des  Rübensaftes  in  der  Zuckerfabrikation
und  zu  mancherlei  anderen  Verwendungen,  vorgeschlagen  und  benutzt
worden  ist,  wollen  wir  einfach  constatiren.
Zu  erwähnen  ist  noch,  dass  die  feinere  Metalltechnik  in  der  Kieselflusssäure ­
  ein  Aetzmittel  besitzt,  durch  welches  eine  unvergleichlich
schöne  Patina  auf  Messing,  Bronze,  Zink  und  Neusilber  hervorgebracht
werden  kann.  Eine  französische  Fabrik  verwendete  Kieselfluornatrium
zur  Herstellung  siliciumreicher  harter  Legirungen.
Keuerdings  hat  man  die  Säure  auch  in  die  Ammoniakindustrie
einzuführen  gesucht.  T.  Christi 2 )  erhielt  in  England  ein  Patent
auf  die  Behandlung  ammoniakaliseher  Wasser,  nach  welchem  Ammoniak
und  andere  Stickstoffverbindungen  enthaltende  Wasser,  die  aus  Gasanstalten, ­
  Cloaken  u.  s.  w.  herrühren,  angesäuert  und  sodann  mit  einer
Lösung  von  Kieselflusssäure,  Fluorsilicium,  Chlorsilicium  oder  einem
alkalischen  Silicate  vermengt  werden.  Die  Silicium  Verbindung  reisst
suspendirte  und  gelöste  Körper  nieder.  Der  entstehende  halbfeste
Niederschlag,  vom  Patentinhaber  „Silicoid“  genannt,  bildet  das  Rohmaterial, ­
  aus  welchem  in  bekannter  Weise  Ammoniaksalze  gewonnen
werden.
Wenn  auch  die  Kieselfluorwasserstoffsäure  der  chemischen  Technik
schon  recht  nützliche  Dienste  erwiesen  hat,  so  scheint  sie  doch  noch  nicht
allseitig  diejenige  Beachtung  zu  finden,  welche  der  mannichfaehen  Anwendbarkeit ­
  dieser  so  nützlichen  und  leicht  gewinnbaren  Säure  entspräche, ­
  und  es  ist  sehr  zu  wünschen,  dass  Wissenschaft  und  Industrie
ihre  vereinten  Bestrebungen  darauf  richten,  die  noch  vorhandenen
Mängel  in  der  Fabrikation  der  Säure  zu  beseitigen.

*)  F -  Stolba,  Journ.  f.  prakt.  Chemie,  XCVI,  34.  2)  T-  Christi,
Ber.  Chem.  Ges.  1873,  977;  Wagn.  Jahresber.  1873,  312.
            
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