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Gruppe III. Chemische Industrie.
fluorwasserstoffsäure in der Glas- und Porcellanfabrikation. Sie
wollen bei der Bereitung des Glases anstatt des gewöhnlichen Kalks
Kieselfluorcalcium allein oder neben Kieselfluorbarium verwenden; auch
anstatt des kohlen sauren Kaliums sei zweckmässig Kieselfluorkalium zu
nehmen. Weit wichtiger noch sei die Substitution’der Borsäure durch
Kieseiflusssäure in ihrer Verbi nduug mit Kalk, Thonerde un d anderen Basen
in der englischen Thonwaarenindustrie. Diese Anwendung der Kieselfluormetalle
in der Glasindustrie und Keramik dürfte aber wegen der Entwickelung
von Fluorsiliciumdämpfen beim Schmelzen, worauf auch
F. Stolba aufmerksam macht 1 ), sich nicht wohl ausführen lassen.
Dass die Kieselflusssäure zur Herstellung künstlicher Steine, zur
Fixation der Farben in der Stereochromie, zur Fabrikation der Weinsäure,
als Surrogat dieser Säure sowie als Beizmittel anstatt des Kuhkothbades
in der Färberei und dem Zeugdruck, zum Weisssieden der
Stecknadeln, zum Entkalken des Rübensaftes in der Zuckerfabrikation
und zu mancherlei anderen Verwendungen, vorgeschlagen und benutzt
worden ist, wollen wir einfach constatiren.
Zu erwähnen ist noch, dass die feinere Metalltechnik in der Kieselflusssäure
ein Aetzmittel besitzt, durch welches eine unvergleichlich
schöne Patina auf Messing, Bronze, Zink und Neusilber hervorgebracht
werden kann. Eine französische Fabrik verwendete Kieselfluornatrium
zur Herstellung siliciumreicher harter Legirungen.
Keuerdings hat man die Säure auch in die Ammoniakindustrie
einzuführen gesucht. T. Christi 2 ) erhielt in England ein Patent
auf die Behandlung ammoniakaliseher Wasser, nach welchem Ammoniak
und andere Stickstoffverbindungen enthaltende Wasser, die aus Gasanstalten,
Cloaken u. s. w. herrühren, angesäuert und sodann mit einer
Lösung von Kieselflusssäure, Fluorsilicium, Chlorsilicium oder einem
alkalischen Silicate vermengt werden. Die Silicium Verbindung reisst
suspendirte und gelöste Körper nieder. Der entstehende halbfeste
Niederschlag, vom Patentinhaber „Silicoid“ genannt, bildet das Rohmaterial,
aus welchem in bekannter Weise Ammoniaksalze gewonnen
werden.
Wenn auch die Kieselfluorwasserstoffsäure der chemischen Technik
schon recht nützliche Dienste erwiesen hat, so scheint sie doch noch nicht
allseitig diejenige Beachtung zu finden, welche der mannichfaehen Anwendbarkeit
dieser so nützlichen und leicht gewinnbaren Säure entspräche,
und es ist sehr zu wünschen, dass Wissenschaft und Industrie
ihre vereinten Bestrebungen darauf richten, die noch vorhandenen
Mängel in der Fabrikation der Säure zu beseitigen.
*) F - Stolba, Journ. f. prakt. Chemie, XCVI, 34. 2) T- Christi,
Ber. Chem. Ges. 1873, 977; Wagn. Jahresber. 1873, 312.