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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Kor  und  seine  Verbindungen.
Von  Dr.  Ferd.  Tiemann
in  Berlin.

Bor.  Das  Bor  steht  in  seinen  Eigenschaften  dem  Kohlenstoff
und  dem  Silicium  am  nächsten;  es  kommt  in  der  Natur  nicht  im  freien
Zustande,  sondern  nur  in  Verbindung,  in  der  Form  von  Borsäure  und
borsauren  Salzen  vor.
Das  von  Gay-Lussac  und  Thenard  im  Jahre  1808  zuerst  isolirte
  Bor  konnte  lange  Zeit  nur  in  der  Gestalt  eines  amorphen  braunschwarzen ­
  Pulvers  erhalten  werden,  und  es  blieb  Wühler  und  St.
Claire-Deville,  welche  ihre  Versuche  unabhängig  von  einander  begonnen ­
  hatten,  aber  gemeinschaftlich  vollendeten,  Vorbehalten,  die
wahren  Eigenschaften  dieses  Körpers  festzustellen.  Nach  diesen  Forschern ­
  tritt  das  Bor  in  zwei  verschiedenen  Modificationen  auf,  krystallisirt,
  durchsichtig,  dem  Diamant  entsprechend  und  amorph  ähnlich  der
Kohle.  Anfangs  glaubten  dieselben  noch  eine  zweite  krystallisirte,
undurchsichtige,  mit  dem  Graphit  eorresponclirende  Modification  des
Bors  entdeckt  zu  haben;  neuere  Beobachtungen  von  Wühler 1 )  haben
jedoch  dargethan,  dass  die  undurchsichtigen  Krystalle  nicht  sowohl
aus  reinem  Bor  als  vielmehr  aus  einer  Verbindung  von  Bor  und  Aluminium ­
  bestehen.
Das  krystallisirte  Bor  erhält  man,  wenn  man  entweder  Borsäureanhydrid ­
  bei  sehr  hoher  Temperatur  (Schmelzhitze  des  Nickels)
mit  Aluminium  reducirt  oder  amorphes  Bor  bei  der  nämlichen  Temperatur ­
  in  geschmolzenem  Aluminium  auflöst  und  erkalten  lässt.  Die
in  dem  Aluminium  eingebetteten  Borkrystalle  werden  von  ersterem
durch  Behandlung  mit  Säuren  getrennt.  In  beiden  Fällen  tritt  auch
Boraluminium  in  der  Gestalt  von  in  Säuren  ebenfalls  unlöslichen,
undurchsichtigen,  sechsseitigen  Tafeln  von  blasser  Kupferfarbe  auf,
welche  sich  von  den  eigentlichen  Borkrystallen  leicht  durch  Abschlämmen ­
  trennen  lassen.

x )  Wühler,  Ann.  Chem.  Pharm.  CXLI,  268.
            
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