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Gruppe III. Chemische Industrie.
geraumer Zeit fast ausschliesslich die beträchtliche für industrielle
Zwecke erforderliche Borsäuremenge geliefert hat und auch heute noch,
obwohl man neue ebenfalls reichhaltige Borsäurequellen entdeckt hat,
in dieser Beziehung den ersten Rang einnimmt. Es ist daher der
Gewinnung der Borsäure in Toscana ein besonderer Aufsatz von Br.
Karl Kurtz, die Borsäurefabrikation in Toscana (Seite 343), gewidmet
worden.
Freie Borsäure, deren Verflüchtigung durch Wasserdämpfe vermittelt
wird, entweicht auch aus einigen Vulcanen und setzt sich an dem
Gestein der Kratermündung ab. Erhebliche Mengen davon finden sich
neben Schwefel und Salmiak z. B. im Krater der Insel Volcano, geringere
Mengen im Krater des Vesuvs etc. Auf der Insel A r olcano ist die Borsäure
Gegenstand technischer Gewinnung.
Trocknet man die krystallisirte Borsäure Hg BO* bei 100° C., so
geht Wasser weg und es bleibt eine an Wasser ärmere Borsäure (Metaborsäure
genannt) zurück:
H3BO3 — h 2 o = hbo 2 .
Erhitzt man diese zum Glühen, so verliert sie abermals Wasser und es
entsteht das Anhydrid der Borsäure:
2 IlBOj — II 2 0 = Bä!);,.
Wenn man die Borsäure (H 3 B0 3 ) längere Zeit bei einer Temperatur
von 140 bis 160° erhält, so.verliert sie mehr Wasser, als der
Metaborsäure (HB0 2 ) entspricht, ohne jedoch bereits in das Anhydrid
(B 2 0 3 ) überzugehen; es wird eine zweite intermediäre Säure gebildet,
welche aus 4 Mol. Borsäure nach der Gleichung:
4 H jBO ;1 — 5 H 2 0 — IR BiO?
entsteht, eine Säure, welche insofern ein gewisses Interesse beansprucht,
als das derselben entsprechende secundäre Natriumsalz die wichtigste
Borsäureverbindung, der bekannte Borax, ist. Durch Vereinigung einer
noch grösseren Anzahl von Borsäuremoleculen unter Austritt von mehr
oder weniger Wasser können sich noch weitere intermediäre Borsäuren
erzeugen, von denen sich verschiedene natürliche Borate ableiten
lassen. (Vergl. auch S- 288 dieses Berichtes.)
Die Borsäure als solche findet eine nur beschränkte Anwendung,
der grösste Theil der alljährlich fabricirten, bedeutenden Mengen dieser
Säure wird zur Darstellung von Natriumborat, von Borax, verwendet.
Borax. Das borsaure Natrium, N^BjCb, kommt in zwei verschiedenen
Formen in den Handel: als gewöhnlicher oder prismatischer
Borax mit 10 Mol. Wasser und als octaedrischer, Juwelier- oder Rindenborax
mit 5 Mol. Wasserkrystallisirt. Das letztere Salz erhältman, wenn
man Boraxlösungen von bestimmter Concentration (30° B.) langsam abküh-.
len lässt; es beginnt dann bei 79° C die Krystallisation von octaedrischem