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Gruppe III. Chemische Industrie.
Zur Gewinnung des Borax senkt man eiserne Kästen in den See
ein, entfernt das Wasser durch Auspumpen und gräbt danach den
Boden aus.
Die fertig gebildeten Boraxkrystalle werden von chinesischen Ar
beitern ansgelesen, den Rest laugt man mit Wasser aus und erhält
nach dem Eindampfen neue Mengen von Boraxkrystallisationen. .
Nach Philipps 1 ) werden aus dem Borax-Lake täglich etwa
1500 Kg rohen Boraxes gewonnen. Derselbe besteht in 100 Theilen ans:
51'85 trockenem Borax,
45'44 Krystallwasser,
1'42 unlöslichen Substanzen,
0'06 Natriumsulfat,
0'08 Kochsalz,
1'15 Natriumphosphat.
Ein anderes erst neuerdings allgemeiner bekannt gewordenes Vor
kommen von Borax ist das in dem Ourmiahsee in Persien. Das zur
Boraxdarstellung verwandte Wasser dieses Sees enthält nach Hrn. Abich
V2 p. C. Borax 2 ).
Das wichtigste Borsäuremineral nach dem Tincal ist derBoronatro-
calcit, welcher ein Doppelsalz von Calcium- und Natriumborat ist "und
welchem nach Rammeisberg die Formel:
Na 2 B 4 G, -f 2CaB 4 0 7 + 18 aq.
zukommt.
Grosse Lager dieses Minerals befinden sich in Chile und Peru in
unmittelbarer Nähe des bekannten Natronsalpeterfeldes, bei Windsor
auf Clifton in Neuschottland, an der Westküste von Afrika, und in
Californien. Der Boronatroealcit bildet meist ?u Tage stehende
Ablagerungen von sandiger Structur, welche reichlich mit Knollen von
Haselnussgrösse bis zur Grösse eines Gänseeies vermischt sind.
Die Knollen haben auf dem Bruche ein strahlig kristallinisches,
seideglänzendes Gefüge und sind meist von grau weisser, zuweilen auch
von, rein weisser Farbe.
Hr. H. Reck 3 ) berichtet über die Boronatrocalcitlager in der
Provinz Tarapaca in Peru. Dieses Mineral kommt in der dort befind
lichen Pampa del Tamarugal sowohl an den Grenzen der Salpeterfelder
als auch isolirt vor und findet sich in der Form von einzeln neben
einander liegenden dicken Knollen in einer weichen, weisslichen, tho-
nigen Sanderde eingelagert. Die Arbeiter, welche mit der Förderung
beschäftigt werden, erkennen das Vorhandensein dieser Knollen an
äusseren Anzeichen, zumal an der die Oberfläche bedeckenden dünnen
] ) Philipps, Bull. Soc. d’Encour. Dec. 1869, 712; Chem. News 1870,
Nro. 534, 82. 2 ) D a u b r ä e, in der bereits citirten Abhandlung.' 3 ) H. R e c k,
Berg- u. hüttenm. Ztg. 1863, 228; Wagn. Jahresber. 1863, 352.