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Bor und seine Verbindungen.
denden Rohmaterial vorhanden und die Gegenwart desselben complicirt
in unerfreulicher Weise die Darstellung des reinen Borax. Man hat
versucht, das vorhandene Calciumborat durch eine entsprechende Menge
Schwefelsäure in Gyps und lösliche Borsäure umzuwandeln und aus
den erhaltenen Laugen, welche nun neben Borax wesentlich nur freie
Borsäure enthalten sollten, durch Sättigen mit Natriumcarbonat direct
Borax zu gewinnen; endlich hat man das Mineral vollständig mit Salzsäure
zersetzt und zunächst krystallisirte Borsäure dargestellt, aber
alle diese Methoden haben bislang nicht die gewünschten Erfolge gehabt.
G. Lunge 1 ) hielt den letzten Weg noch für den vortheilhaftesten.
Er empfahl, das Mineral zunächst zu pulvern und dann zu schlämmen,
wodurch der schwerere Gyps sich von dem leichteren Boronatrocalcit
unschwer trennen und sich gleichzeitig ein Theil der vorhandenen löslichen
Salze (Kochsalz, Glaubersalz) entfernen lassen soll.
Das gemahlene und geschlämmte Material wurde zu dem Ende
mit einer dem Gehalt des Minerals an Calcium- und Natriumborat entsprechenden
Menge roher Salzsäure, sowie dem doppelten Gewicht
Wassers siedend digerirt, bis dasselbe sich nahezu vollständig gelöst
hatte. Die Lösung liess man alsdann in der Hitze absetzen, um sie
noch heiss in die Krystallisirbehälter abzuziehen. Hier schied sich
die Borsäure beim Erkalten fast vollständig aus, während Kochsalz und
Chlornatrium in Lösung blieben. Die erhaltenen Borsäurekrystalle
wurden schliesslich durch abwechselndes Waschen mit kaltem Wasser
und Ausschleudern in einer Centrifuge von anhaftender Mutterlauge
befreit.
Im Jahre 1867 berichtete Lunge 2 ), dass ein englischer Fabrikant
den Boronatrocalcit durch Soda aufgeschlossen habe, ohne einen Ueberschuss
von letzterer zuzusetzen, theilte jedoch nähere Details über das
dabei in Anwendung kommende Verfahren nicht mit.
0. Loew verwirft in einem zweiten Theile der früher erwähnten
Abhandlung der grösseren Kostspieligkeit wegen die indirecte Darstellung
von Borax aus Boronatrocalcit durch vorheriges Ausfällen von
Borsäure, er nimmt auch von dem Schlämmen des Rohmaterials Abstand,
weil dasselbe eine nur unvollständige Abtrennung des vorhandenen
Gypses bedinge und der vorwiegend aus Sand bestehende erste Absatz
eine grössere Menge von Boronatrocalcit (bis zu 8 p. C.) zurückhalte,
während der im zweiten Absatz fallende Boronatrocalcit mit einem sehr
lästigen, thonigen Schlamme^gemengt erhalten werde. \ ersuche man,
das geschlämmte Material durch Kochen mit Sodalösung umzusetzen,
so sauge der schlammige Thon eine grössere Menge der entstehenden
i) G. Lunge, Wagn. Jahresber. 1865, 247; Dingl. pol. J. CLXXXI, 370.
2 ) G. Lunge, Wagn. Jahresber. 1867, 250.
Wiener Weltausstellung. III.
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