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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Boraxlösung wie ein Schwamm auf und sei davon weder durch Absetzen 
lassen noch durch Abfiltriren oder Abpressen zu trennen. 
0. Loew macht darauf aufmerksam, dass Gyps sich mit siedenden 
Lösungen von Natriumcarbonat und Natriumborat mit gleicher Leich 
tigkeit unter Bildung von unlöslichem Calciumcarbonat und Calcium 
borat auf der einen und löslichem Natriumsulfat auf der anderen Seite 
umsetzt und dass daher bei Anwesenheit eines Ueberschusses von Gyps 
aus bereits entstandenen Boraxlösungen wieder unlösliches Calciumborat 
gefällt wird. Diesem Umstande ist es zuznschreiben, dass gypshaltige 
Boronatrocalcite an siedendes Wasser zuweilen überhaupt kein Natrium 
borat, sondern nur Natriumsulfat abgeben, obschon das reine Mineral 
sich unter gleichen Verhältnissen stets in unlösliches Calciumborat und 
in gelösten Borax spaltet. 
Während aber die soeben besprochenen Zersetzungen rasch und 
vollständig erst bei etwa 100°, dagegen nur langsam und unvollständig 
bei niederer Temperatur erfolgen, geht die Wechselwirkung zwischen 
Boronatrocalcit und Soda schon bei einer weit unter dem Siedepunkte 
des Wassers liegenden Temperatur von Statten und kommt in kurzer 
Zeit zu Ende. Auf dieses Verhalten hat 0. Loew eine neue Methode 
zur Darstellung von Borax aus Boronatrocalcit gegründet; er verfährt 
dabei wie folgt: 
In zwei Kufen, welche so stehen, dass man deren Inhalt in einen 
Kessel ablaufen lassen kann, werden je 2000 Pfd. heisses Wasser und 
350 Pfd. Soda gebracht, worauf man 1000 Pfd. rohen Boronatrocalcit 
einträgt und bei etwa 60° 15 Minuten lang gut durchrührt. Die nach 
Verlauf eines Tages genügend geklärte Flüssigkeit zieht man in den 
Kessel ab und agitirt, nachdem man 2000 Pfd. heisses Wasser, 700 
Pfd. Soda und 2000 Pfd. Boronatrocalcit hinzugefügt hat und die Tem 
peratur der Flüssigkeit auf 60° gestiegen ist, das Ganze in der soeben 
beschriebenen Weise nochmals y 4 Stunde lang. Man lässt gut absetzen 
und bringt die klare Lauge in die Krystallisationsgefässe, in welchen 
bei 30 bis 32° der Borax zu krystallisiren anfängt. Nach etwa drei bis 
vier Tagen hat sich die ganze Menge dieses Salzes, welche bei der je 
weilig herrschenden Temperatur zu krystallisiren vermag, abgeschieden'; 
man trennt dann die Mutterlauge von den Krystallen und verwendet 
die erstere bei den folgenden Operationen statt des Wassers. Es empfiehlt 
sich jedoch, die obigen Verhältnisse in diesem Falle etwas abzuändern. 
Man versetzt am besten 4000 Pfd. auf 60° erwärmte Mutterlauge mit 
850 Pfd. Soda und 2500 Pfd. Rohmaterial und verfährt im Uebrigen 
genau wie oben. Die Mutterlauge sollte nicht mehr als vier mal 
wieder benutzt werden, da dieselbe sich bald mit fremden Salzen und 
namentlich Glaubersalz sättigt, wodurch ihr Lösungsvermögen für Borax 
bedeutend verringert wird. Man trennt derartig mit fremden Salzen 
übersättigte Mutterlaugen, sobald die Temperatur derselben auf 33°
	        
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