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Bor und seine Verbindungen.
gesunken ist, von eventuell ausgeschiedenen Boraxkrystallen und lässt
zunächst das bei weiterem Erkalten krystallisirende Glaubersalz sich
ausscheiden. Man kann die Flüssigkeit alsdann entweder bei weiteren
Operationen wieder an Stelle des Wassers benutzen oder durch Abdampfen
daraus neue Mengen von Borax gewinnen. Sollten Glaubersalz und
Borax einmal zusammen krystallisiren, so erwärmt man das feuchte
Gemisch beider auf 33 bis 35°, wodurch das Glaubersalz, welches bei
dieser Temperatur in grösster Menge vom Wasser aufgenommen wird,
sich in der geringen Menge in dem Gemisch mechanisch eingeschlossenen
Wassers auflöst und vom zurückbleibenden Borax abgegossen werden
kann. Beim nachherigen Raffiniren bleibt der Rest des Glaubersalzes
in der Mutterlauge zurück.
Das Raffiniren selbst besteht in einem einfachen Umkrystallisiren
aus möglichst wenig heissem Wasser, welchem man 5 p. C. Soda hinzu
gesetzt hat; nur muss man dabei, will man grosse und schöne Krystalle
erzielen, für möglichste Ruhe und langsame Abkühlung Sorge tragen.
Das Auffinden so bedeutender Boronatrocalcitlager wie derjenigen
in Hotsprings in Nevada, in Chile etc. berechtigt zu der Erwartung,
dass der toscanischen Borsäureindustrie in Bälde eine in der That
heilsame Concurrenz gemacht werde. Den Grund, dass dies nicht schon
früher geschehen ist, hat man in dem sehr wechselnden Gehalt der
Boronatrocalcite an Borsäure und in dem Umstande zu suchen, dass
der grösste Theil der geförderten Boronatrocalcite zur weiteren Verar
beitung nach Europa geschafft werden musste. Wie aus dem Berichte
0. Loew’s hervorgeht, fängt man jedoch an, den Borax mit V ortheil
an Ort und Stelle zu produciren, und wenn die dortigen Fabrikeinrich
tungen auch noch äusserst primitiv und im hohen Grade der V erbes-
serung fähig sind, so darf man doch die Hoffnung hegen, dass die In
dustrie sich bald in wirksamerer Weise der erwähnten Vorkommen
bemächtigen und durch rationellere Hebung des von der Natur dargebo
tenen grossen Schates die Borsäure und Borsäurepräparate zu gei ingeren,
noch allgemeinere Anwendungen derselben gestattenden Preisen liefern
wird. Die Natur dieser Körper befähigt sie hierzu im hohen Grade.
Bisher hat fast nur der Borax technische Verwerthung gefunden.
Paupier 1 ) hat sich in der letzten Zeit ein Verfahren zur bequemen
Darstellung der Borate auch anderer Metalle patentiren lassen. Er
versetzt zu diesem Zwecke die Chloride oder Nitrate dei betieffen-
den Metalle mit Borax oder Boronatrocalcit und erwähnt dabei,
dass die so gewonnenen Chrom-, Eisen- und Kupferborate mit \ ortheil
in der Malerei verwandt werden können. Calciumborat und Aluminium
chlorid geben, wenn man beide Substanzen bei 80 bis 100 aufeinander
lj Paupier, Ber. cliem. Ges. 1873, 1138; Bull. &oc. chim. 187j, XIX,
Nro. 7, 334.