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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
ein wirken lässt, eine syrupöse Lösung, welche, mit Zink-, Zinn- oder 
Bleioxyd gemischt, eine vorzügliche Glasurmasse bildet. 
Ansichten über den Ursprung der in der Natur vorkom 
menden Borsäure und der borsauren Salze. Die leichte Zersetz 
barkeit der Seite 323 angeführten Schwefel- und Stickstoffverbindungen 
des Bors durch Wasser, namentlich bei höherer Temperatur, sowie das 
gleichzeitige Auftreten von Schwefelwasserstoff und Ammoniak in den 
borsäurehaltigen natürlichen Dampfemanationen hatte früher zu der 
Hypothese geführt, dass die von den Wasserdämpfen fortgeführte Bor 
säure in der Tiefe vorhandenen, bedeutenden Lagern der obigen Ver 
bindungen ihren Ursprung verdanke, und auch in letzterer Zeit ist 
0. Popp 1 ) nochmals auf die Bildung von Borsäure aus Borstickstoff 
zurückgekommen. Aber weder Borstickstoff noch Schwefelbor sind 
bislang an irgend einem Orte der Erde als solche aufgefunden worden, 
ein Umstand, weicher derartige Hypothesen mindestens als. sehr ge 
zwungene erscheinen lässt. 
Daubree gelangt in dem Seite 327 erwähnten Berichte über 
Borsäure und natürliche Borate zu dem Schlüsse, dass die Borsäure sich 
wahrscheinlich weit verbreiteter in der Natur findet, als man dies bis 
her geglaubt hat und dass sie vielleicht deshalb häufig unbemerkt ge 
blieben ist und noch bleibt, weil sie in nur geringer Menge in Wasser 
und Wasserdämpfen oder in Verbindung mit Kalk gemischt mit einer 
grösseren Menge anderer Salze vorkommt und weil sie, besonders in 
der soeben erwähnten grossen Vertheilung,. keine sofort in die Augen 
stechenden Eigenschaften besitzt. In der That gehört die Borsäure, 
namentlich wenn sie neben alkalischen Erden vorkommt, zu den Kör 
pern, welche von angehenden Analytikern am leichtesten übersehen 
werden. 
C. Nöllner 2 ) macht auf das Vorkommen von Borsäure in den 
Steinsalzlagern sowohl als auch in den Salpeterlagern in Chile und 
Peru aufmerksam. Nach ihm sind die letzteren cÄrch Verwesung aus 
dem grossen Ocean angeschwemmter stickstoffhaltiger Seetange auf 
einem eingetrockneten Meerwasserbassin entstanden; es erklärt sich 
dadurch auch der immer beobachtete Jodgehalt des Chilisalpeters (vgl. 
S. 137 u. S. 202 dieses Berichtes), sowie das Vorkommen nur geringer 
Mengen von Kaliumsalpeter in demselben, welches dem minimalen 
Gehalte der Seepfianzen an Kaliumverbindungen proportional ist. 
Auch Borsäure ist nach Nöllner ein constanter Bestandtheil des 
Meerwassers, und die aus den Mutterlaugen des Chilisalpeters sich 
ausscheidenden Borate, wie auch die in der Nähe der Salpeterlager und 
P 0. Popp, Ann. Chem. Supplement VIII, 1 u. 5; Cliem. Centralbl. 
1870, 502. 2 ) 0. Nöllner, Journ. pr. Chem. CII, 463; Polyt. Centralbl. 
1868, 229.
	        
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