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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Bor und seine Verbindungen. 
die in den Steinsalzlagern vorkommenden Borsäureverbindungen ver 
danken dieser Quelle ihren Ursprung. Es könnte auf den ersten Blick 
etwas auffällig erscheinen, dass die Borsäure, welche mit einigen der 
in dem Meerwasser in grösster Menge vorhandenen Metalle (Calcium, 
Magnesium) schwerlöslicheVerbindungen bildet, sich in den Mutterlaugen 
desselben ansammeln soll; aber man beobachtet häufig, dass aus Losun 
gen von Salzgemischen, wenn man dieselben verdampft, die einzelnen 
Constituenten sich nicht immer nach dem Grade ihrer Löslichkeit ge 
ordnet ausscheiden, sondern dass in den zerfliesslichsten Salzen ein 
schwer lösliches eingeschlossen ist und umgekehrt. Man dürfe daher 
wohl annehmen, meint Nöllner, dass die chemische Umlagerung ge 
wisser Bestandteile einer Lösung erst bei einem gewissen Concentrations- 
grade oder einer bestimmten Temperatur dieser Lösung stattfinde. So 
krystalÜsire z. B. aus den jodhaltigen Mutterlaugen des rohen Natron 
salpeters plötzlich und ganz zuletzt nur Kalisalpeter, während bei einem 
Gemenge von reinem Natron- und Kalisalpeter der letztere sich doch 
stets zuerst ausscheide, ebenso werde zuweilen eine Abscheidung schwer 
löslicher borsaurer Salze aus den sonst nur zerfliessliche Verbindungen 
enthaltenden Mutterlaugen der obigen Fabrikation beobachtet. 
Das Vorkommen von Borsäureverbindungen in den Steinsalz- und 
Salpeterlagern ist, sobald man daraus auf einen geringen aber constan- 
ten Gehalt des Meerwassers an Borsäureverbindungen schliessen darf, 
im höchsten Grade interessant; denn nun sind es nicht mehr, wie zuerst 
F Bischof, später auch Becchi 1 ) und Andere annahmen, in dem von 
vulcanischen Dämpfen durchbrochenen Gestein ursprünglich vorhandene 
Calcium- oder Magnesiumborate, welche unter dem Einflüsse des 
Wasserdampfs, der Kohlensäure und des Salmiaks (Bestandtheile der 
vulcanischen Dämpfe) etc. zersetzt werden, sondern wahrscheinlicher 
in Steinsalzlagsrn vorhandene Borsäureverbindungen, welche, wenn sie 
bei höherer Temperatur mit Wasserdampf in Berührung kommen, zer 
legt werden und ihre Borsäure an die Wasserdämpfe abgeben Eine 
secundäre Bildung von Calcium- und Magnesiumborat welche Verbin 
dungen man in dem von den Dampfemanationen durchbrochenen Ge 
stein beobachtet hat 2), bleibt hierbei nicht ausgeschlossen 
Auch Schwarzenberg 3 ) hält es für wahrscheinlich, dass in Tos 
cana Steinsalzlager durch vulcanische Thätigkeit im glühenden Zu 
stande erhalten werden, dass Meerwasser m_dieselben eindrmge und in 
Dampf verwandelt aus den vorhandenen Boraten Borsaure frei mache 
und an die Oberfläche befördere. 
n siehe hierüber den Aufsatz Von Dr. Karl Kurtz, Seite 343 dieses Be 
richte, W ) Schwar 
zenberg, Bolley’s Handbuch der Technologie, Bd. II, Gruppe I, 38.
	        
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