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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
zu erreichen, so ist doch wohl durch den Sauerstoff das Mittel geboten, 
bisher noch unerreichte Luftschichten zu erforschen. 
Die physiologischen Anwendungen des Sauerstoffs leiten uns natur- 
gemäss hinüber zu der Modifieation desselben, welche den Namen Ozon 
führt. 
Denn auch an diese knüpften sich zunächst weitgehende therapeu 
tische Hoffnungen. 
OZOII. 
Mit grossen Erwartungen ward von der Medicin und Industrie die 
Entdeckung begrüsst, welche Schönbein im Jahre 1840 veröffentlichte, 
nach welcher der eigenthümliche phosphorige bei der Elektrolyse des 
Wassers auftretende Geruch dem dabei entwickelten Sauerstoff zukomme, 
und dieser Sauerstoff stärker oxydirende Eigenschaften besitze, als 
der gewöhnliche. Schönbein nannte dieses riechende Princip Ozon 
(von o^tLV, riechen), und er bemerkte sein Auftreten, was dem Gerüche 
nach 1785 schon v. Marum gethan hatte, auch in der Nähe des Con- 
ductors einer in Thätigkeit begriffenen Elektrisirmaschine. Später fand 
er, dass es sich ebenfalls bei langsamer Verbrennung des Phosphors 
bilde, ja dass die Atmosphäre sehr wahrnehmbare Spuren davon enthalte. 
Bald mehrten sich die Beobachtungen seines Auftretens ausserordentlich. 
Schönbein und Andere fanden, dass die Superoxyde des Silbers, Ba 
riums und Wasserstoffs unter dem Einfluss der Schwefelsäure stärker 
oder weniger stark ozonisirten Sauerstoff entwickeln, und dass auch dem 
mangansauren, übermangansauren und überjodsauren Kalium (dem letz 
teren nach Rammeisberg) dieselbe Eigenschaft zukomme. Schütteln 
der Luft mit Quecksilber oder mit feinvertheilten edlen Metallen sowie 
mit Glaspulver x ) ward als ein Mittel zur Ozonisirung erkannt. Die 
ätherischen Oele, namentlich Terpentinöl, zeigten dieses Vermögen in 
hohem Grade. Man entdeckte Ozon in dem Luftstrom einer Gebläse 
maschine und in dem Sauerstoff, welchen die Pflanzen ausathmen. 
Das Mittel zu diesen Entdeckungen ward, abgesehen davon, dass 
schon ein Theil Ozon in 500000 Luft ihr den eigenthümlichenGeruch 
ertheilt, in den folgenden Reactionen gefunden. 
Airs Jodkalium scheidet Ozon Jod ab, indem gleichzeitig Jodsäure 
und Kaliumsuperoxyd entstehen und die Lösung nach der Entfernung 
- 1 ) Andrews, Nature 1874, 365.
	        
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