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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
rohen Borsäure und zwar nach Popp gewöhnlich in Form eines 
Doppelsalzes von Ammonium- und MagnesiumsulfatQ. Da die Mutter 
laugen immer wieder auf die Pfannen (wenn schlechtere in das Klär 
bassin , wenn sehr schlechte in die Lagonen) zurückgegeben, also 
eigentlich vollständig aufgesotten werden, so sollte man erwarten, 
dass die rohe Borsäure noch unreiner wäre, als sie es in der That 
ist. Nach Popp (s. o.) scheint sich ein Theil des Doppelsalzes 
auf den Pfannen auszuscheiden; auch müssen die Larderel’schen 
Etablissements ihre rohe Borsäure mit einem Minimalgehalt, unter 
den sie nicht gehen dürfen, ahliefern, woraus sich schliessen lässt, 
dass sehr schlechte Mutterlaugen irgendwie unschädlich gemacht 
werden. Nur in Travale wird eine Art Düngsalz aus den Wassern der 
oberen Lagonen und den Mutterlaugen der unteren producirt, welches 
etwa 50 p. C. Ammoniumsulfat enthält und zu 35 Frcs. pr. Kilocent- 
ner abgesetzt wird. Die anderen Etablissements erzeugen nur aus 
nahmsweise auf specielle Veranlassung Ammoniumsulfat. 
Reinigung der Borsäure. Die Raffination der Borsäure ge 
schieht am besten durch Umkrystallisiren. Ein einmaliges Umkrystal 
lisiren genügt gewöhnlich. Zu Travale versuchte Becchi Borsäure 
umzusublimiren, was ihm auch gelang. Er entfernte das Ammonium 
salz durch Erhitzen, füllte die ausgeglühte Borsäure in eiserne Retor 
ten , erhitzte dieselben durch Holzfeuer und leitete Wasserdampf 
(Soffionendampf) über die Borsäure. Der Dampf nahm einen Theil 
derselben mit und setzte ihn wieder in dazu bestimmte Kammern ah. 
Becchi erzielte so eine chemisch reine Borsäure, aber die Kosten waren 
viel zu hoch, um diese Reinigungsmethode im Grossen einführen zu können. 
Ursprung der Soffionen und der Borsäure. Früher war 
man geneigt, die Quelle der Borsäure, des Ammoniaks und der Wärme 
in einer Schicht Schwefelbor oder Borstickstoff zu suchen, welche in 
Berührung mit Wasserdampf sich unter Entwickelung von Wärme, 
Borsäure und Ammoniak resp. Schwefelwasserstoff zersetze; gegenwärtig 
hat aber die Ansicht, dass die Soffionen vulcanischen Ursprungs seien, die 
Oberhand gewonnen (vergl. auch S. 340). Popp nimmt für die Soffionen 
Toscanas ähnliche Verhältnisse in Anspruch, wie für die Insel Volcano, in 
deren Krater man Borsäure, Salmiak und Mascagnin findet und betrach 
tet die Borsäuremineralien, auf die man beim Bohren trifft, als secundäre 
Producte. In dem Krater nimmt er die Anwesenheit von Borstickstoff 
und Titanstickstoff an, die durch Einwirkung von Wasserdampf in 
Ammoniak und die resp. Säuren zerlegt würden. Die italienischen 
Gelehrten Guerazzi, Becchi 2 ), Meneghini 8 ) und Andere 4 ) vertreten 
J ) Popp, Ann. Chem. Pharm. Suppl. VIII, 5. 2 ) Becchi, Stuclj. sulla 
formazione dei Soffioni boraciferi di Travale. 3 ) Meneghini, Sulla pro- 
duzione dell’acido borico dei Conti de Larderel. 4 ) Vergl. G-. vom Rath, 
Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1872, 141 u. Dingl. pol. J. CCXII, 493.
	        
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