26 Gruppe III. Chemische Industrie.
Im Jahre 1842 gelang Zinin die Umwandlung des Nitrobenzols
in Anilin mittelst Wasserstoffs im Entstehungszustande, durch welche
er ein Gebiet von ungeahnter Grösse der Industrie erschloss.
Es folgte die Aera der künstlichen Farbstoffe.
Bald erkannte man, dass viele derselben die Eigenschaft des Indig-
blaus theilten durch Wasserstoff entfärbt zu werden, und so führte man
ur den Zeugdruck als Enlevage Zinkstaub ein, welcher duich Erzeu
gung von Wasserstoff von damit bedruckten Stellen des zu färbenden
Stoffes künstliche Farbstoffe, z. B. Fuchsin i), fernhält.
Eine Reihe merkwürdiger Beobachtungen lehrte jedoch, dass die
Art der Wasserstoffentwickelung nicht gleichgültig für die Hydrogenirung
sei Wahrend Schwefelammonium und »während Säuren unter dem
influsse von Metallen so viel Wasserstoff an Nitrobenzol abtreten
dass daraus Anilin entsteht, bleibt bei Anwendung anderer Wasserstoff
quellen die Reaction auf halbem Wege stehen, und es bilden sich inter
mediäre Producte.
Somit entzieht sich denn auch der Wasserstoff im Entstehungs
zustande der allgemeinen Betrachtung, und seine technischen Anwendun
gen werden an besonderen Stellen dieses Berichtes getrennt näher be
sprochen.
M ir kehren deshalb zunächst zu den Anwendungen des Wasserstoffs
als Quelle von Wärme und Licht zurück. Wie aus Saron’s Versuchen
sich das Knallgasgebläse in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts
entwickelte, wie Deville und Debray es in der Mitte des jetzigen in
die Platimndustne einführten, ist in dem Abschnitte über den Sauerstoff
kurz berichtet worden. Mit Luft gemengt ist in den Händen von
Desbassains de Richemont seit 1838 2 ) Wasserstoff das Mittel ge
worden, um Bleiplatten mit Blei an einander zu löthen, und so der
Schwefelsäurefabrikation das Fundament ihrer Entwickelung: haltbare
Bleikam mein von beliebigem Umfang, zur Disposition zu stellen. Wenn
da, wo Leuchtgas leicht zu haben ist, dieses Brennmaterial den Wasser
stoff für Bleilöthung verdrängt hat, so sind viele Schwefelsäure
fabriken doch nicht im Bereich von Gasanstalten, und in ihpen ist
deshalb die Wasserstofflöthung beibehalten worden. Dasselbe gilt für
die Anwendung des Wasserstoffs zur Selbstlöthung anderer Metalle und
egirungen, welchen Winkler in seinem überzeugenden bereits oben
. 3) angeführten Aufsatz eine grosse Zukunft vorhersagt. In neuester
Zeit hat man auch für die Borsäuregewinnung in Italien Bleipfannen
mit Selbstlöthung eingeführt und zahlreiche Feuersbrünste, namentlich
T , ^ Umwandlung der gefärbten Rosanilinsalze in farblose Salze des
Leukamlins durch Zink und Salzsäure lehrte A. W. Hofmann 1860 kennen.
Pro °- XI1 ’ 2 ' Die obige Anwendung rührt von Durand her, s.
Schutzenberger, Traite des matteres colorantes I, 491.
-) Kar mar sch, Geschichte der Technologie, 380