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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
as Material für den Cubikmeter kostet demnach 4'5 Centimes. 
Statt der Wasserzersetzung durch Kohle sind in den letzten Jahren 
emige andere Processe zur Ausführung gekommen, die Erwähnung 
verdienen. Von sehr beschränkter Anwendbarkeit ist der von Lenoir D 
im Jahre 1867 vorgescblagene Weg, Schwefelbarium durch Wasser 
zu zersetzen , wodurch schwefelsaures Barium und Wasserstoff gebildet 
wird, wie es die Gleichung ausdrückt: 
BaS + 4H 2 0 = Ba S 0 4 -f 4H,. 
Er ist nur da am Platz, wo die Fabrikation von Bariumsulfat 
(Permanentweiss) der Hauptzweck, die Wasserstoffgewinming Neben 
absicht ist, wie es bei Lenoir der Fall war. 
Eine werthvolle Veränderung haben Tessie du Motay und Mare- 
c a ) in die Industrie eingeführt, insofern sie für Bereitung des Wasser 
gases keinen Dampfkessel nöthig haben und, wie sie behaupten Brennmate 
rial ersparen, während die Abnutzung derjyereinfachten Apparate wesent- 
ich verringert wird. Sie erhitzen Kohle mit Natron, Kalkhydrat oder 
Barythydrat in eisernen Betörten und zersetzen so das chemisch gebundene 
asser dieser Basen, das von Kohlensäure auf dem gewöhnlichen Wege 
befreit wird. Dies Verfahren ist von der New-York Oxygen Com- 
^ any ^“ rUng g ebra <*t worden, die in früher besprochener 
eise (b. 15) den Cubikfuss Wassergas für den enormen Preis von 2 Cent 
(etwa 1 Sgr.) verkauft (d. h. 1 cbm für 31/2 Rmk.) 3). Das Gemenge von 
Kalk und Anthracit wird in ähnlichen Betörten erhitzt, wie sie oben bei 
Besprechung der Tessie du Motay’schen Sauerstoffbereitung beschrie- 
ien worden sind. Die Zersetzung nach der Gleichung: 
C -f- CaO -f 2 H 2 0 = CaC0 3 -f 2 II 2 
geht bei Rothgluth vor sich und dauert etwa 15 Minuten. Darauf wird 
durch Emleiten von Dampf über die erhitzte Masse Kalkhydrat zurück- 
gebildet. Erst nach drei Wochen ist die Kohle darin erschöpft und 
wird durch neue Zufuhr von Anthracit ersetzt. 
Dass das Leuchtgas grosse Mengen (30 bis 50 p.C.) freies Wasser 
stoffgas enthalt, und zwar um so mehr davon, je höher die Temperatur 
der Retorten bei der Bereitung des Gases gesteigert wird, ist eine lange 
bekannte Thatsache. Tessie du Motay und Marechal haben gleich 
zeitig mit Einführung des beschriebenen Verfahrens von dieser That 
sache Gebrauch gemacht, und Kohlengas über glühenden Kalk 
geleitet, um es in Kohle, hochsiedende Kohlenwasserstoffe und 
grosse Mengen von Wasserstoff zu zerlegen. Zu derselben Zeit (1868 
und 1869) hat auch E. Vial 4 ) diesen Weg eingeschlagen und die Gas 
ausbeute durch „Decarburirung“ dabei verdoppelt und selbst verdreifacht, 
*) Lenoir, Wagn. Jahresb. 1867. 219, 259. 
1868. I, 334. 3) H. Vogel, Ber. Chem. Ges. III, 901 
industriel 1869, Dingl. pol. J. OII, 382. 
2 ) Bull. Soc. 
4 ) B.. Vial 
Cliem. 
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