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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

Wasserstoff. 
Bl 
Schinz 1 ) bezweifelt den industriellen Erfolg dieses Verfahrens wegen 
des Aufwandes an Brennmaterial, während er berechnet, dass die Zer 
setzung von Wasser mittelst Kohle ein doppelt so wohlfeiles Leuchtmate 
rial giebt als Steinkohlengas. Auch hierbei scheint jedoch, wie sich 
bald ergeben wird, die Abnutzung des Apparates unberücksichtigt ge 
blieben zu sein. 
Fragen wir zun; 
lächst, wie der auf die eine oder die andere Weise 
gewonnene Wasserstoff leuchtend gemacht wird, so treffen wir zwei 
wesentlich verschiedene Methoden an. Die erste derselben beruht auf 
Vermengung des Wassergases mit Kohlenwasserstoffen. Selhgue be 
nutzte bereits 1834 2 ) zu Paris die durch Destillation des bituminösen 
Mergelschiefers von Autun gewonnenen Oele, um das Wassergas mit 
leuchtenden Kohlenwasserstoffgasen zu sättigen. White führte spater 
das Wassergas durch Retorten, in welchen Harz oder Kohle in Leuchtgas 
verwandelt wurde, und sein Verfahren ward 1851 von Frankland ) 
sorgfältig geprüft, der einen darüber erstatteten sehr lobenden Bericht 
mit allgemeinen Sätzen schliesst, von welchen folgende die wesentlichsten 
sein dürften: 
1. „Die Gasproduction aus gegebenen Gewichtsmengen gewöhn 
licher Steinkohle oder Cannelkohle wird je nach der Qualität 
des angewandten Materials um 46 bis 290 p.C. vermehrt; 
2. die Leuchtkraft desselben wächst um 12 bis 108 p.C., um so 
mehr, wenn man Steinkohlen anwendet, welche Gase von hoher 
Leuchtkraft erzeugen; _ . 
3. die Qualität des zurückbleibenden Theers nimmt ab, indem ein 
Theil desselben in Gase von starker Leuchtkraft verwandelt wird. 
Zu bemerken ist, dassTheer damals den Werth nicht hatte, welchen 
die fortschreitende Industrie ihm seither verschafft hat. 
DasWhite’sche Verfahren findet sich mit geringen Modifieationen 
unter verschiedenen Namen wieder. Als „Systeme Leprince (Gas 
mixte Leprince) ward dasselbe von industriellen Anstalten in Lüttich, 
von der Stadt Mastricht und einigen Anstalten der Vieille Montagne 
in Verviers eingeführt und von Ver ver 1848 in seiner oben angeführten 
Abhandlung kritisch beschrieben. Vier Jahre später arbeiteten Bal 
danus und Grüne eiii ähnliches Verfahren aus 4 ), für welches Schaffer 
und Walcker in Preussen ein Patent erhielten. Ihr Verfahren beste 
darin, Wasserdampf durch Retorten zu leiten, in welchen Schieferko e, 
Torf und andere Brennstoffe zur Rothgluth erhitzt werden. Es unter 
scheidet sich also von White’s Process dadurch, dass die Erzeugung 
des Wasserstoffs und seine Carburirung in derselben Retorte vor sic 
2) Dumas, Handbuch der Chemie 
•m. LXXXII, 48. 4 ) Journal für
	        
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