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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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W asserstoffsuperoxyd. 
dass sie sich der Uehersicht entziehen, und di e wichtigsten aus ihrer 
Zahl finden in besonderen Capiteln dieses Berichtes ihre Besprechung. 
Die Elemente Sauerstoff und Wasserstoff treten jedoch bekanntlich 
noch zu einer zweiten Vei'bindung, dem Wasserstoffsuperoxyd H 3 0 2 , 
zusammen, welche in neuester Zeit in der Industrie eine gewisse Geltung 
zu gewinnen beginnt. 
Wasserstoffsuperoxyd. 
Im Jahre 1818 liess. Thenard Säuren auf Bariumsuperoxyd ein 
wirken und erhielt Lösungen, die ausserordentlich reich an Sauerstoff 
waren und die denselben mit auffallender Leichtigkeit abgahen. Er sah 
dieselben für höhere Oxydationsstufen der Säuren an, bis er bald darauf 
die wahre Natur der Substanz erkannte. 
Seine Darstellungsmethode, welche auch heute noch angewandt 
wird, ist die folgende. Eine bekannte Menge concentrirter Chlorwasser 
stoffsäure wird in einem Becherglase mit 8 bis 10 Volumen Wasser 
verdünnt einer Kältemischung ausgesetzt. Eine etwas geringere Menge 
von Bariumsuperoxyd als nöthig ist, um die Säure zu neutralisiren, 
möglichst frei von anderen Oxyden, namentlich von Manganoxyd, welche 
die Ausbeute verringern würden, wird dann mit Wasser zu einem feinen 
Brei zerrieben und allmählich der Säure zugesetzt, in welcher es sich 
ohne Aufbrausen lösen muss. Darauf fügt man mit Vorsicht verdünnte 
Schwefelsäure zu, um den aufgelösten Baryt als Sulphat niederzuschlagen 
und um Chlorwasserstoffsäure herzustellen, die so auf eine neue Menge 
Bariumsuperoxyd reagiren kann. Nachdem die Flüssigkeit vom unlös 
lichen Bariumsulfat abfiltrirt ist, setzt man wie vorhin allmählich eine 
neue Menge breiförmigen Bariumsuperoxyds hinzu. Derselbe Process 
der Präcipitation mit Schwefelsäure, der Filtration und des Zusatzes 
von Superoxyd wird mehrmals wiederholt. Nach dem sechsten oder 
siebenten Zusatz enthält die Flüssigkeit eine hinreichende Menge von 
Wasserstoffsuperoxyd. Nur wo es darauf ankommt, dasselbe völlig frei 
von Säuren zu haben, unterwirft man es jetzt noch einer succesiven 
Behandlung mit Silhersulfat und Bariumhydrat. Die filtrifte Lösung 
wird in einer Schale im Vacuum über Schwefelsäure abgedunstet. 
Pelouze fügt einen Brei von Bariumsuperoxyd zu einer Lösung 
von Fluorkieselwasserstoffsäure und filtrirt vom Fluorkieselbarium die 
Wasserstoffsuperoxydlösung ab. Dupre x ) und Balard bedienen sich 
einer Lösung von Kohlensäure in Wasser für denselben Zweck, indem 
sie sehr kleine Mengen fein gepulvertes Bariumsuperoxyd allmählich 
eintragen. 
In neuester Zeit hat J. Thomsen die folgende Modifieation des 
*) Dupre, Compt. rend. LV, 736 u. 758.
	        
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