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Gruppe III. Chemische Industrie.
Thenard’schen Verfahrens vorgeschlagen *). Fein geriebenes Barium
superoxyd oder das käufliche sogenannte Hydrat wird durch Einträgen
in verdünnte Chlorwasserstoffsäure gelöst, bis die Säure fast neutralisirt
ist. Der filtrirten und abgekühlten Lösung wird alsdann so viel Baryt
wasser hinzugesetzt, dass die fremden Oxyde und Kieselsäure nieder
geschlagen werden, und dass sich ein schwacher Niederschlag von /
Bariumsuperoxydhydrat bildet. Die Lösung wird alsdann filtrirt und
mit concentrirtem Barytwasser in hinlänglicher Menge versetzt, wodurch
sich, wie Brodie 2 ) 1863 bekannt machte, krystallinischesBariumsuper
oxydhydrat niederschlägt. Der Niederschlag wird filtrirt und ausge
waschen, bis die Flüssigkeit nicht mehr auf Chlorwasserstoffsäure rea-
girt. Das also erhaltene Hydrat lässt sieh in feuchtem Zustande in
verschlossenen Gefässen sehr lange unzersetzt bewahren. Zur Darstel
lung von Wasserstoffsuperoxyd wird es in verdünnte Schwefelsäure
unter Umrühren eingetragen. Man kann die Concentration der letzteren
bis auf 1 Gewichtstheil Schwefelsäure in 5 Gewichtstheilen Wasser ohne
Nachtheil steigen lassen. Wenn die Lösung bis zu schwach saurer Reac-
iion abgestumpft ist, lässt man das Bariumsulfat absetzen und filtrirt.
Die drei zuletzt genannten Vorschläge sind als industriell zu be
zeichnen. Da Wasserstoffsuperoxyd bei — 30° noch nicht fest wird,
so kann man seine Lösungen concentriren, indem man sie unter 0° ab
kühlt und das Wasser ausfrieren lässt. Hierzu bedient sich Houzeau
des Carre’sehen Apparats 3 ). Eine grosse Schwierigkeit bietet der
industriellen Darstellung des Wasserstoffsuperoxyds seine grosse Zer
setzlichkeit. Nur in angesäuerter Lösung und auch in solcher nur mit
grosser Vorsicht kann dieser Körper in wohlverschlossenen Gefässen
aufbewahrt werden. Holzkohle sowie einige Ox3 T de und Metalle zer
setzen ihn durch blossen Contact, am heftigsten Silber, Gold und Platin
im pulverförmigen Zustande.
Dass es ein heftiges Oxydationsmittel ist und in der Kälte bereits
arsenige Säure in Arsensäure, Schwefelblei in Bleisulfat und die niedri
geren Oxyde von Mangan, Eisen, Kobalt, Barium, Strontium und Cal
cium in die höchsten Oxydationsstufen dieser Metalle überführt, auch
Arsen und andere Elemente sofort vollständig oxydirt, hat wenig Auf
fallendes. Höchst überraschend und merkwürdig aber müssen die Beob
achtungen Thenard’s erscheinen, welche Brodie (1850) und bald
darauf Schön bein erweiterten und erklärten, wonach Wasserstoffsuper
oxyd nicht nur als Oxydationsmittel, sondern auch als mächtiges Reduc-
tionsmittel wirkt, dass es Jod in Jodwasserstoffsäure überführt:
J + HsA = 2HJ -f 0,„
i) Thomsen, Ber. Chem. Ges. VII, 74. 2 ) Pogg. Ann. CXXI, 372.
3 ) Houzeau, Mon. Scient. 1868, 175.
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