Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

53

Ueber  Trinkwasser.
Bei  Anwendung  der  zweiten  Methode  für  die  Bestimmung  des  in
der  Gestalt  von  Nitriten  und  Nitraten  vorhandenen  Stickstoffs  wird
letzterer  in  Ammoniak  übergeführt,  dessen  Menge  man  mit  Hilfe  der
Nes  sler’sehen  Flüssigkeit  ermittelt.  200  ebem  Wasser  mit  kaustischem ­
  Natron  bis  zu  stark  alkalischer  Beaction  versetzt,  werden  in  einer
Porecllanschale  rasch  bis  auf  70  ebem  eingedampft  und  in  einen  hohA
Cylinder  gegossen,  in  welchem  sich  einige  Fragmente  Aluminiumfolie
befinden.  In  fünf  bis  sechs  Stunden  ist  der  ganze  Stickstoff  der  salpetrigsauren ­
  und  salpetersauren  Salze  in  Ammoniak  verwandelt,  welches
abdestillirt  und  mittelst  der  N  e  s  s  1  e  r  ’  sehen  Flüssigkeit  bestimmt  wird.
Bas  Verfahren  ist  genau,  so  lange  die  Menge  der  vorhandenen  organischen ­
  Materie  gering  ist,  bei  grösseren  Mengen  wird  es  fehlerhaft,  da
die  organische  Materie  beim  Kochen  mit  Alkali  gleichfalls  Ammoniak
entwickelt.
Die  Anwendung  dieser  verbesserten  Methode  für  die  Untersuchung
mehrerer  Tausende  verschiedener  theils  reiner,  theils  verunreinigter
Wasser  hat  in  unzweifelhafter  Weise  festgestellt,  dass  lösliche  thierische
  Stoffe,  wie  sie  in  den  Sielwässern,  in  dem  Inhalt  der  Cloaken  und
Senkgruben  und  endlich  im  Dünger  Vorkommen,  bei  ihrem  Uebergang
in  Bäche,  Ströme  und  Seen  nur  äusserst  langsam,  dagegen  in  den
Poren  des  offenen  Landes  sehr  schnell  oxydirt  werden.  Wo  die
Oxydation  eine  vollständige  ist,  gehen  diese  Stoffe  geradezu  in  Mineralsubstanzen ­
  auf;  der  Kohlenstoff  verwandelt  sich  in  Kohlensäure,  der
Wasserstoff  in  Wasser,  während  der  Stickstoff  die  Form  theilweise  von
Ammoniak,  vorzugsweise  aber  von  Salpetersäure  und  salpetrigei  Säure
annimmt,  welche  mit  den  dem  Wasser  der  Erde  entnommenen  Basen
Nitrate  und  Nitrite  erzeugen,  und  auf  diese  Weise  die  Kunde  der  Verunreinigung ­
  durch  Fäcalsubstanzen  oder  analoge  Materien  verzeichnen,
welche  das  Wasser,  seit  es  zum  letzten  Male  als  Kegen  zur  Erde  niederkam, ­
  erfahren  hat.
Es  schien  von  Interesse,  einen  concreten  Ausdruck  für  die  Grösse
dieser  früheren  Verunreinigung  mit  thierischen  Substanzen  zu  gewinnen, ­
  über  welchen  uns  die  Kenntniss  der  Vergangenheit  des  Wassers
Auskunft  giebt.  Einen  solchen  Ausdruck  hat  man  erhalten,  indem
man  als  Maassstab  der  Vergleichung  das  Durchschnittsquantuni  gebundenen ­
  Stickstoffs  wählt,  welches  nach  den  Analysen  von  A.  W.  Hofmann ­
  und  H.  M.  Witt 1 )  100  000  Thle  des  Londoner  Sielwassers
(Sewage)  in  Lösung  enthalten.  Wenn  man  in  Einheiten  dieses  Maassstabes ­
  die  frühere  thierische  Verunreinigung  eines  Wassers  nach  der
Menge  von  Ammoniak,  von  Nitraten  und  Nitriten  bemisst,  welches  es
in  Lösung  hält,  so  darf  man  nicht  ausser  Acht  lassen,  dass  das  Regeni)

  Hofmann  und  Witt,  First  Appendix  to  the  Report  of  the  Metropolitan ­
  lülain  Drainage-Commission  1857.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.