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Ueber Trinkwasser.
Bei Anwendung der zweiten Methode für die Bestimmung des in
der Gestalt von Nitriten und Nitraten vorhandenen Stickstoffs wird
letzterer in Ammoniak übergeführt, dessen Menge man mit Hilfe der
Nes sler’sehen Flüssigkeit ermittelt. 200 ebem Wasser mit kaustischem
Natron bis zu stark alkalischer Beaction versetzt, werden in einer
Porecllanschale rasch bis auf 70 ebem eingedampft und in einen hohA
Cylinder gegossen, in welchem sich einige Fragmente Aluminiumfolie
befinden. In fünf bis sechs Stunden ist der ganze Stickstoff der salpetrigsauren
und salpetersauren Salze in Ammoniak verwandelt, welches
abdestillirt und mittelst der N e s s 1 e r ’ sehen Flüssigkeit bestimmt wird.
Bas Verfahren ist genau, so lange die Menge der vorhandenen organischen
Materie gering ist, bei grösseren Mengen wird es fehlerhaft, da
die organische Materie beim Kochen mit Alkali gleichfalls Ammoniak
entwickelt.
Die Anwendung dieser verbesserten Methode für die Untersuchung
mehrerer Tausende verschiedener theils reiner, theils verunreinigter
Wasser hat in unzweifelhafter Weise festgestellt, dass lösliche thierische
Stoffe, wie sie in den Sielwässern, in dem Inhalt der Cloaken und
Senkgruben und endlich im Dünger Vorkommen, bei ihrem Uebergang
in Bäche, Ströme und Seen nur äusserst langsam, dagegen in den
Poren des offenen Landes sehr schnell oxydirt werden. Wo die
Oxydation eine vollständige ist, gehen diese Stoffe geradezu in Mineralsubstanzen
auf; der Kohlenstoff verwandelt sich in Kohlensäure, der
Wasserstoff in Wasser, während der Stickstoff die Form theilweise von
Ammoniak, vorzugsweise aber von Salpetersäure und salpetrigei Säure
annimmt, welche mit den dem Wasser der Erde entnommenen Basen
Nitrate und Nitrite erzeugen, und auf diese Weise die Kunde der Verunreinigung
durch Fäcalsubstanzen oder analoge Materien verzeichnen,
welche das Wasser, seit es zum letzten Male als Kegen zur Erde niederkam,
erfahren hat.
Es schien von Interesse, einen concreten Ausdruck für die Grösse
dieser früheren Verunreinigung mit thierischen Substanzen zu gewinnen,
über welchen uns die Kenntniss der Vergangenheit des Wassers
Auskunft giebt. Einen solchen Ausdruck hat man erhalten, indem
man als Maassstab der Vergleichung das Durchschnittsquantuni gebundenen
Stickstoffs wählt, welches nach den Analysen von A. W. Hofmann
und H. M. Witt 1 ) 100 000 Thle des Londoner Sielwassers
(Sewage) in Lösung enthalten. Wenn man in Einheiten dieses Maassstabes
die frühere thierische Verunreinigung eines Wassers nach der
Menge von Ammoniak, von Nitraten und Nitriten bemisst, welches es
in Lösung hält, so darf man nicht ausser Acht lassen, dass das Regeni)
Hofmann und Witt, First Appendix to the Report of the Metropolitan
lülain Drainage-Commission 1857.