62
Gruppe III. Chemische Industrie.
vielfach zerklüftet und von Gängen und Spalten durchsetzt ist, wie
der Bergkalk z. B., so unterscheidet sich das unten austretende Wasser
nur wenig von dem Tagewasser der Oberfläche und enthält noch den
grösseren Theil der Verunreinigungen, welche es ursprünglich aufgenommen
hatte. Allein wenn die Felsart gleichartig porös ist, wie die
Kreide, der Oolith, der Grünsand oder der Sandstein, so wird die anfangs
vorhandene organische Materie nachgerade oxydirt und in harmlose
Mineralsubstanzen verwandelt. Die wasserführenden Schichten, welche
diese wünschenswerthe Umbildung in besonders hohem Grade bewirken,
und denen vorzugsweise ein perlendes, farblos-durchsichtiges,
wohlschmeckendes und gesundes Wasser entquillt, sind
1) Die Kreide,
2) Der Oolith,
3) Der Grünsand,
4) Der neue rothe und conglomeratische Sandstein.
Sämmtliche löslichen Bestandtheile und ein grosser Theil der suspendirten
Materie, welche das Fluss- und Stromwasser enthält, werden schliesslich
dem Ocean zugeführt, wo sie, da kaum irgend eine dieser Substanzen bei
gewöhnlicher Temperatur flüchtig ist, wenn das Wasser verdampft,
Zurückbleiben. Die Analyse des Regenwassers hat dagegen nachgewiesen,
dass ein kleiner Bruchtheil dieser salinen Bestandtheile, der
aber einen gewaltigen Gesammtbetrag liefert, durch die Seewindedem
Lande wieder zugeführt wird. Die Welle, die sich schäumend
an dem Gestade bricht, sendet in die Atmosphäre Tausende von Seewasserbläschen,
welche sich, da sie im Verhältniss zu ihrer Masse grosse
Oberflächen bieten, lange Zeit in der Luft schwebend erhalten. Wenn
die Luft feucht ist, so verschmelzen sie mit den Wolken und dem
Nebel und fallen als Regen nieder; ist die Luft dagegen trocken, so
verdampft der wässerige Antheil und es bleibt ein fester Salzrückstand,
welcher begreiflich noch weit feiner zertheilt ist und deshalb noch viel
länger in der Atmosphäre suspendirt bleibt als das Bläschen, welches
ihn lieferte. Diese kleinen Salzpartikelchen, welche das Spectroskop
in der Atmosphäre allezeit erkennen lässt, sinken entweder allmählich
auf Land und Meer herab oder werden von dem fallenden Regen
niedergewaschen. Vergleicht man indessen die einerseits in den Flüssen
dem Meere zuströmenden mit den dem Lande wiederkehrenden Mengen
saliner Materie, so leuchtet ein, dass ein grosser Ueberschuss dem Ocean
verbleibt, dessen Wasser ausserordentlich viel reicher ist an Salzbestandtheilen,
als das Wasser der Quellen, Bäche und Flüsse. Das Meer wasser
enthält in der Regel sogar weit mehr organische Materie als das süsse
Wasser, selbst wenn letzteres wesentlich verunreinigt ist. Allein die
organische Materie des verunreinigten Flusswassers ist todt und fäulnissfähig,
während gewichtige Gründe für die Annahme vorliegen, dass