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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
liehkeit nur vermehrt würde. Das Abdampfen der Salzlösung, um das 
Salz wieder zu gewinnen, ist eine Arbeit, wie sie sonst in der Küche 
nicht vorkommt und die einige Aufmerksamkeit in der Behandlung 
erfordert; die Summe der Operationen bleibt für das Hauswesen zu 
schwerfällig, wenn auch die Kosten für die Restituirung des Salzes 
unerhebliche zu nennen sind. 
Es handelt sich noch um die Frage, ob das Mittel der Salzauflösung 
sich nicht etwa für technische Fabrikation von Eis im Grossen eignet. 
Diege Frage kann rechnungsmässig beantwortet werden mit Hilfe der 
in der obigen Tabelle enthaltenen Zahlen. Um 1 Kg Eis aus Wasser 
von der bei uns mittleren Jahrestemperatur von 12° C. herzustellen, 
wird man technisch, mit Berücksichtigung der Verluste, nicht viel we 
niger als 120 Wärmeeinheiten brauchen. Die Mischung 3 Kg salpeter- 
saures Ammoniak-Salmiak mit 3 Kg Wasser giebt zwar so viel, davon 
fällt aber wenig mehr als die Hälfte unter 0°, da ja auch diese 
Substanzen von der Anfangstemperatur 12° (günstigsten Falls) gedacht 
werden müssen. Nun lässt sich allerdings durch Gegenströmungen die 
in der abgängigen zum Gefrieren nicht mehr benutzbaren Mischung 
noch enthaltene Kälte auf das bei frischer Mischung zu verwendende 
Wasser übertragen und soweit denkbarer Weise die gesammte Auflösungs 
kälte unter 0° nutzbar machen (Verluste unberücksichtigt gelassen). 
Man bedarf dann 3 Kg Wasser für 1 Kg Eis und bei der Restituirung 
müssen diese 3 Kg im Kessel durch künstliche Wärme verdampft werden. 
Die Leistung von 1 Kg unter dem Kessel verbrannter Kohle beträgt 
nun ungefähr 6 Kg - Dampf oder doch nur wenig mehr. Es folgt daraus, 
dass mittelst 1 Kg Kohle nicht mehr als 2 Kg Eis bereitet werden 
können, ganz abgesehen von der für den Transport der vielen Flüssigkeit 
erforderlichen Maschinenkraft. Dieses Resultat ist ein sehr ungünstiges,, 
da mit den anderen Eismaschinen viel mehr, mit der Ammoniakmaschine 
die vier- bis fünffache Leistung erzielt wird. Man hat aus diesen 
Gründen auch noch keine technischen Apparate für die Fabrikation 
von Eis im Grossen, die sich sonst durch eine verhältnissmässige Ein 
fachheit in der constructiven Form (nur offene Gefässe) von den anderen 
Systemen unterscheiden würden, zur Ausführung gebracht. Es ist auch 
nicht zu erwarten, dass die Umstände sieh je günstiger gestalten; man 
müsste denn Salze auffinden, die bei ihrer Auflösung eine um ein Mehr 
faches grössere Temperaturerniedrigung bewirkten als die bekannten 
Mischungen. Das steht nun nicht in Aussicht, nachdem die bekannten 
Salze alle auf dies Verhalten untersucht sind. Wäre Kochsalz ein so 
kostspieliger Körper, dass man auf seine Wiedergewinnung bedacht 
sein müsste, so würde selbst bei Abdampfung der von der Eis-Kochsalz- 
Mischung stammenden Lösung mittelst 1 Kg Kohle nicht mehr Salz 
als für 4 Kg Gefrornes Eis auszuscheiden sein.
	        
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