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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 16

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Künstliche Erzeugung von Kälte und Eis. 
befriedigender Weise erreicht man den Zweck einer raschen Entfer 
nung der im leeren Räume von einer verdunstenden Flüssigkeit auf 
steigenden Dämpfe durch die Absorption derselben, wie beispiels 
weise derjenigen der Wasserdämpfe durch coneentrirte Schwefelsäure. 
Für den Process der Kältebildung durch Verdunstung bieten sich 
vorzugsweise solche Flüssigkeiten, die technisch erst hergestellt werden 
müssen und einen erheblichen Werth besitzen. Es handelt sich daher 
bei der Eisfabrikation im Grossen ganz wesentlich um Zurückführnng 
der entfernten Dämpfe in ihren ursprünglichen Zustand, d. b. in wieder 
verdampfbare Flüssigkeit, so dass der gegebene Stoff stets von Neuem 
verwendbar ist und sich nur in einem Kreisläufe befindet. Diese Zurück 
führung kann nach zwei in Form und Wirkung bedeutend verschie 
denen Verfahrungsweisen erfolgen, als deren gegenwärtig noch fast 
einzige Repräsentanten die Aethermaschine und die Ammoniakmaschine 
angesehen werden können. 
Die Aethermaschine. Dieselbe ist folgendermaassen einge 
richtet. Eine durch einen besonderen Motor (in der Regel Dampfmaschine) 
betriebene doppeltwirkende Luftpumpe zieht unausgesetzt Aetherdampf 
aus einem mit flüssigem Aether gefüllten Gefäss (Verdunstungsbehälter, 
Eisbildner); beim Rücklauf des Kolbens wird der Dampf comprimirt 
und dann in ein durch Wasser gekühltes Schlangenrohr getrieben; im 
Verhältniss als der durch die Verdichtung heiss gewordene Dampf sich 
hier abkühlt, condensirt er sich zu Flüssigkeit, welche in einem Gefäss 
sich sammelt und von hier unter dem Druck des verdichteten Dampfes 
in den Verdunstungsbehälter zurückgepresst wird, woselbst sich das 
Spiel erneuert. 
Das Princip der Aethermaschine wurde in England bereits im 
Jahre 1834 von Jac. Perkins x ) zu London patentirt. Sein Apparat 
enthält alle für eine continuirliche Functionirung erforderlichen Organe: 
Verdunstungsbehälter, Luftpumpe und Schlangenrohrcondensator. Der 
Verdunstungsbehälter besteht nach der Zeichnung aus einem kesselartigen, 
aus zwei Kugelabschnitten gebildeten Gefäss, das rings von Wasser 
umgeben ist. Diese Anordnung ist eine etwas unzweckmässige, und 
darin mag der Grund liegen, dass man über die Entwickelung des 
Apparates nichts weiter vernommen hat, vielleicht war aber auch die Zeit 
damals noch nicht reif zur Verwerthung der Sache, resp. die Nachfrage 
nach Eis noch nicht gross genug, um die künstliche Erzeugung desselben 
] ) Die historischen Nachweise über die ersten Versuche zur Herstellung 
von Eismaschinen, soweit in die technische Literatur darüber nichts einge 
gangen ist, wurden dem Verfasser durch entgegenkommende Mittheilung der 
gedruckten englischen Patentbeschreibungen Seitens des Patent office in 
London möglich gemacht, wofür an dieser Stelle öffentlich Dank ausge 
sprochen wird. 
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