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Deutschland
auf der
Wiener Weltausstellung 1 873.
l.
Die Wiener Weltausstellung fiel für Deutschland in eine solchem
Unternehmen wenig geneigte Zeit. Als die Vorbereitungen dazu be
gannen, befand sich das Land erst in schwerem, seine Kräfte fesseln
dem Kriege, dann in einer politischen und wirthschaftlichen Neugestal
tung, welche die Aufmerksamkeit der Nation absorbirte. Als man zur
Herrichtung der Ausstellung sich anschickte, bewegte ein erbitterter
Interessenkampf die arbeitenden Kreise —- und wo er die Thätigkeit
nicht lähmte, stand diese unter dem Bann einer fieberhaften Ueber-
spannung aller Aufgaben und Kräfte. Kaum war endlich für die Aus
stellung der Tag der Eröffnung gekommen, als eine wirthschaftliche
Krisis über Deutschland heraufzog und den meisten Arbeitszweigen
schwere Wunden schlug.
Wäre die Wiener Ausstellung für Deutschland über die Bedeutung
der früheren internationalen Ausstellungen nicht hinausgegangen , so
hätte es unter solchen widrigen Einflüssen wohl kaum gelingen kön
nen, Gewerbfleiss und Kunst zu einer ehrenvollen Betheiligung zu be
stimmen. Aber ihre Bedeutung hob sich höher, als das neue Reich
deutscher Nation die Betheiligung unter seinen Schutz nahm und den
Gedanken weckte, dass auf dieser Ausstellung die deutschen Staaten
zum ersten Male als ein Volk erscheinen sollten. Ein Menschenalter
war vergangen, seitdem die ersten Wünsche einer nationalen Reprä
sentation auf dem Gebiete des wirthschaftlichen Lebens in Deutschland
hervorgetreten waren. Schon im Jahre 1842 hatten die Regierungen
des deutschen Zollvereins die Vereinbarung getroffen, zu dem Zwecke
periodischer Ausstellungen für die Erzeugnisse des ganzen Vereins
gebietes sich gegenseitig zu unterstützen. Allein die damaligen Ideen
gelangten nicht zur weiteren Entwickelung. Zwar hatte die Allge
meine deutsche Industrieausstellung vom Jahre 1844 in Berlin ihnen
die Entstehung zu verdanken und sie waren auch noch wirksam, als
im Jahre 1851 auf der ersten internationalen Ausstellung in London
Wiener Weltausstellung. T