Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 3
Auch abgesehen von dem Antheil, welchen Deutschland auf solche
Weise an der glücklichen Verwirklichung des Ausstellungsgedankens
hatte, nahm das Project sein besonderes Interesse in Anspruch. Es
war das erste Mal, dass eine internationale Ausstellung ausserhalb der
grossen Metropolen des Westens unternommen wurde. Damit schwand
ein Theil des üebergewichtes, welches der Nationalfleiss von England
Und Frankreich bisher auf den Ausstellungen behauptet hatte. Sie
mussten sich Bedingungen gleich den übrigen Ländern gefallen lassen;
sie büssten auch die thatsächlichen Vortheile ein, welche sie bisher
vermöge der Lage der Ausstellung inmitten der eigenen Grenzen ge
nossen hatten. Das war vor allem von Gewicht für Deutschland, wo
der Wettkampf mit dem Westen zunächst in Frage kam und wo man
zumeist das Uebergewicht desselben empfunden hatte.
Aber mehr noch als das. Für Deutschland war der Boden, auf
welchem die Weltausstellung vor sich gehen sollte, in Wahrheit kein
fremder. Durch Sprache und Entwickelung von jeher verknüpft, waren
die deutschen und österreichischen Lande seit Kurzem in Freundschafts
beziehungen von Neuem sich nahe getreten. In Deutschland sah der
Kunst- und Gewerbfleiss von Oesterreich seine Mutterstätte, trotz des
Glanzes, zu welchem er in Wien erblühte, verhehlte er die deutsche
Herkunft nicht; von Wien war neuerdings wiederum manch’ frische
Anregung der deutschen Arbeit zugekommen. Und in dem gesamm-
ten Leben Wiens spiegelte für den Deutschen die Heimath sich wieder.
Was Wunder, wenn die neue Ausstellung in raschem Zuge die Sym-
pathieen gewann!
Der Wechsel volle Verlauf derselben ist ergiebig an Fingerzeigen
für die richtige Würdigung des Ausstellungswesens und er ist dies be
sonders in Ansehung der deutschen, das Ausstellungswesen berühren
den Interessen. So dürfte ein Ueberblick über den Gang, welchen
sie nahm, und über die Aufgaben, welche sie Deutschland brachte, auch
für die Zukunft einigen Werth haben.
Vorgeschichte.
2.
Schon seit einer Reihe von Jahren hatte man sich in Wien mit
dem Gedanken einer Weltausstellung getragen. Er fand, obwohl durch
die Pariser Ausstellung von 1867 zunächst in den Hintergrund ge
drängt, doch gerade in dem Erfolg dieses glänzenden Unternehmens
neue Nahrung und wurde in den nächsten Jahren mehrfach, aber immer
vergeblich aufgeuommen. Dass er in den entscheidenden Kreisen
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