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Full text: Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wiener Weltausstellung Heft 17

Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 5 
welchen die Betheiligung Deutschlands organisirt werden sollte. Diese 
Aufgabe wurde einer aus Bevollmächtigten der Landesregierungen ge 
bildeten Commission übertragen. Wie sehr indessen die Zeit auch 
schon drängte, so sah man sich doch ausser Stande, die Berathungen 
der Commission alsbald zu eröffnen, weil alle näheren Mittheilungen 
über die Ausstellung noch fehlten. Erst Mitte Februar 1872 gingen 
diese der Regierung zu. Noch an dem Tage, an welchem sie zu Hän 
den des Reichskanzlers gelangten, traten die in Erwartung dessen nach 
Berlin berufenen Bevollmächtigten, neunzehn an der Zahl, zusammen. 
Nach kurzen Berathungen einigten sie sich über ein Programm, wel 
ches theils die Leitung und Verwaltung der Ausstellungsangelegen 
heiten, theils auch die Kostenfrage zu regeln bestimmt war. Das Pro 
gramm erhielt die Genehmigung des Bundesrathes und hat den Boden 
gebildet, auf welchem die deutsche Ausstellung in das' Werk gesetzt 
worden ist. 
Die Bedeutung des einheitlichen Charakters der deutschen Aus 
stellung hatte auch unter den Bevollmächtigten einmüthige Würdigung 
gefunden. Alle trafen in dem Wunsche zusammen, dass dieser natio 
nalen Seite der Sache nach aussen hin ein bezeichnender und würdi 
ger Ausdruck gegeben werden möge und sie glaubten ihn in der Ueber- 
nabme des Protectorates über die Ausstellung durch Seine Kaiser 
liche und Königliche Hoheit den deutschen Kronprinzen zu 
erblicken. Die Person dieses Fürsten vereinigte in glücklichster Ver 
bindung den ruhmgekrönten Repräsentanten der Reichsmacht, deren 
Namen und Schutz die Ausstellung deckte, und den eifrigen Förderer 
des deutschen Kunst- und Gewerbfleisses, dessen würdiger Vertretung 
die Ausstellung galt. Der Kronprinz, von dem Wunsche der Vertreter 
der deutschen Staaten iu Kenntniss gesetzt, hatte die Gnade das Pro- 
tectorat zu übernehmen. 
Während diese Entschliessung in Deutschland freudigen Wieder 
hall fand, galt sie in Oesterreich als Beweis der sympathischen Auf 
nahme, welche die Ausstellung deutscher Seits gefunden hatte. Dem 
als Protector an der Spitze der gesammten Weltausstellung stehenden 
österreichischen Fürsten Erzherzog Karl Ludwig bot sie den An 
lass, mittelst des folgenden Schreibens den deutschen Prinzen zu be- 
grüssen: 
Wien, 18. März 1872. 
Gestatten mir Eure kaiserliche und königliche Hoheit, der freudig 
empfundenen Befriedigung Ausdruck zu geben, mit welcher ich Höchst 
Ihre Ernennung zum Protector für die Weltausstellung begrüsst habe. 
Die Gewissheit, dass Eure kaiserliche und königliche Hoheit persönlich 
Ihre Theilnahme einem Unternehmen entgegenbringen, bei welchem wir 
auf die Billigung und Unterstützung aller civilisirten Völker gerechnet, 
ist mir Bürgschaft und Gewähr dafür, dass unsere Bestrebungen auch 
in Preussen - Deutschland Anerkennung und Würdigung gefunden haben,
	        
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