10 Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873.
langte, auch unerreichbar, so gab sie doch die Gelegenheit, den Stand
der Bildungseinrichtungen und der geistigen Bewegung in den für
jedes Volk charakteristischen Beziehungen zum Ausdruck zu bringen.
Wie sich aus dieser Uebersicht ergiebt, umfassen die einzelnen
Gruppen Arbeits- und Culturgebiete von sehr verschiedener Ausdeh
nung und Bedeutung, begrenzt nach durchaus nicht gleichen Gesichts
punkten und vielfach ungeeignet für die Aufgaben eines kurzlebigen
Ausstellungsunternehmens. Schon dadurch wurde es schwierig, bei
der Anordnung der Ausstellung seihst die Gruppen festzuhalten. Mehr
noch als dieses wirkten die Dispositionen der Ausstellungsräume, welche
dem Gruppensystem in keiner Weise Rechnung trugen und, wie der
Plan einmal angelegt war, dies auch nicht vermochten, dahin, die Grup
pen in der äusseren Erscheinung der Ausstellung ganz zurücktreten
zu lassem Diese fand in einer ganz anderen Gruppirung ihre Signa
tur. Mit weitgehender Vermischung der Gruppen bildete sich deut
licher als auf allen früheren Ausstellungen der Unterschied der Indu
strie, der Landwirthschaft und der Kunst aus. In ihrer Trennung
stellten sie geradezu und zum Vortheile der Sache drei selbstständige
Ausstellungen dar. Innerhalb der Industrieausstellung hoben sich dann
wieder das Berg- und Hüttenwesen und mehr noch die Maschinen
industrie in augenfälliger Scheidung ab. Indem aber so der in Wirk
lichkeit bestehende Zusammenhang der Dinge die Fesseln des theo
retischen Systemes durchbrach, wurde zum Vortheil der praktischen
Interessen die Klarheit der Ausstellung entschieden gehoben.
5.
Das Verdienst, eine einfache und natürliche Gruppirung der Aus
stellung begünstigt zu haben, gebührt vor Allem der Anlage und Ver
keilung der Ausstellungsräume. Der Plan dafür darf, bei vielen
Schwächen, die zum Theil indess erst aus der unvorhergesehenen Ent
wickelung der Dinge sich ergaben, die Anerkennung der Zweckmässig
keit und zugleich der Grossartigkeit beanspruchen. Er ist es gewesen,
der grossen Theils den Ruf der Ausstellung begründet hat.
Der Platz der Ausstellung lag vor den Thoren der Stadt, zwischen
den schönen Waldbeständen des Praters. Durch einen schmalen Wasser
arm wurde er in einen östlichen und westlichen Theil geschieden. Je
ner war hauptsächlich für landwirtschaftliche Ausstellungszwecke be
stimmt, dieser enthielt die eigentlichen Ausstellungsbautan. Die Bauten
sonderten sich von vornherein in drei Gruppen. Das Hauptgebäude,
der Industriepalast, mit seinen Umgebungen war für die Industrie,
ausschliesslich des Maschinenwesens, und für das Unterrichtswesen in
Aussicht genommen. Die nordwärts gelegene Maschinenhalle sollte in