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Full text: Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wiener Weltausstellung Heft 17

Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 11 
der Hauptsache das Maschinenwesen aufnehmen. Im Osten lag eine 
besondere Kunsthalle mit Seitenbauten, vorzugsweise für ältere Erzeug 
nisse der Kunst und des Kunstgewerbes bestimmt. Die bedeckten 
Räume der Ausstellung waren anfänglich auf etwa den Umfang berech 
net, welchen der Palast der letzten Pariser Ausstellung eingenommen 
hatte. Die lebhafte Betheiligung liess dies später indess als unzurei 
chend erscheinen; von Seiten Oesterreichs sowohl als auch anderer Na 
tionen wurde auf den Plätzen zwischen und neben den drei Ilaupt- 
gebäudemassen zu zahlreichen Erweiterungsbauten geschritten, durch 
welche der klare und vornehme Charakter der ursprünglichen Anlage 
bedauerlicher aber unvermeidlicher Weise gestört wurde. 
Mit der Klarheit der ursprünglichen Anlage stand der äussere Cha 
rakter der Hauptgebäude in glücklichem Einklang. Vornehm und ein 
drucksvoll war die Architektur des Industriepalastes. Er gliederte sich 
in drei Theile. In der Mitte lag ein quadratischer Hallenbau, der zwi 
schen vier Höfen eine mächtige, 79 m hohe, aus Eisen kühn errichtete 
Rotunde umschloss; rechts und links davon dehnten sich zwei lange 
Gallerien aus, die, von je fünf Querhallen durchschnitten, beiderseits in 
einen rechteckigen Hallenbau ausliefen. Die beiden Hauptgallerien 
waren zusammen 905 m lang, 24 m breit und 10 m hoch. Die Quer 
hallen waren etwas schmaler und niedriger gehalten. Sämmtliche 
Räume erhielten ihr Licht durch Seitenfenster, die in dichter Folge die 
obere Hälfte der Wände füllten. Die Kunsthalle war einfach, aber von 
edlen Verhältnissen getragen. Sie bildete einen vierschiffigen Lang 
bau, in der Mitte eine doppelte Reihe hoher Oberlichtsäle, für die Auf 
nahme der grösseren Kunstwerke bestimmt, an beiden Seiten schmalere 
Säle mit Seitenlicht für kleinere Arbeiten. Die Maschinenhalle bestand 
aus einer 28 m breiten, 18 m hohen Hauptgallerie, an deren Längsseiten 
schmale und niedrige Nebengallerien sich hinzogen. Auch sie war auf 
seitliche Beleuchtung angelegt. Ihr Aeusseres war einfach, der Bestim 
mung des Innern entsprechend. 
Leider waren die Dispositionen im Innern der Bauten nicht so 
glücklich getroffen. Vor Allem litt der Industriepalast unter dem Miss 
erfolg des centralen Rotundenbaues. Der ungeheure Raum entbehrte 
der genügenden Lichtfülle, das Colossale der Verhältnisse schloss eine 
angemessene Verwendung aus und liess jeden Versuch, ihn durch 
Schmuck und reiche Füllung mit Ausstellungsgegenständen zu heben, 
vergeblich erscheinen; störend und zwecklos durchbrach der schwere Bau 
die Flucht der leichten Gallerien. In der Anlage dieser letzteren hatte 
man, dem auf der Pariser Ausstellung von 1867 angenommenen Grund 
satz treu, jeden Etagenbau vermieden und dadurch nicht nur eine be 
quemere und übersichtliche Gruppirnng der einzelnen Theile der Aus 
stellung, sondern auch die Möglichkeit architektonischer Wirkung er 
zielt. Zu gleichem Zwecke war andererseits in der Anlage weiträumiger
	        
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