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Full text: Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wiener Weltausstellung Heft 17

Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 13 
halb entwickelt, bot für viele Einrichtungen weder die Arbeitskräfte 
noch das Material; es erwuchs die Nothwendigkeit, auf die Hilfe der 
ausländischen Indui^fie zurückzugreifen. Die Stadt selbst, bis zur 
neuesten Zeit eine binnenländische Residenz, reich zwar, aber von 
engen Anschauungen beherrscht, war eben erst in die Entwickelung zu 
einer Weltstadt eingetreten; die Unfertigkeit ihrer derzeitigen Zustände 
musste die Ausstellung vielfach empfinden. Die Verwaltung hatte 
Mühe, diese Verhältnisse zu überwinden, und es ist erklärlich, wenn 
die Anzeichen davon nach aussen nicht verborgen blieben. 
Die Organisation der Verwaltung erschien äusserlich in sehr einfacher 
Gestalt. Unter dem Protectorate des Erzherzogs Karl Ludwig, 
des Bruders und Vertreters des Kaisers, führte der Erzherzog Rai 
ner die kaiserliche Commission, berufen zur Repräsentation nach aus 
sen und zur Berathung principieller Fragen, in Wirklichkeit indessen 
auch in diesem beschränkten Bereich wenig zur Thätigkeit gelangt. 
Sie umfasste, an der Spitze eine Anzahl der höchsten Würdenträger 
des Reiches, über hundert Mitglieder aus allen Theilen der Monarchie 
und aus allen Lebenskreisen. Die eigentliche Geschäftsführung lag in 
der Hand des Geheimen Rathes Freiherrn von Schwarz-Senborn, 
welcher, schon seit langer Zeit ein energischer Vertreter der Aus 
stellungsidee, nun, wo ihre Durchführung beschlossen war, in unermüd 
licher Hingebung sich ihr widmete. Anfangs zum „Leiter“ der Aus 
stellungberufen, wurde er nach endlicher Feststellung ihrer Organisation 
zum „ Generaldirector der Weltausstellung“ ernannt und mit weit 
reichenden Vollmachten betraut. In seiner Hand liefen alle Fäden der 
Verwaltung zusammen; den Vertretern der fremden Ausstellungen 
gegenüber erschien er, nicht immer zur Erleichterung des Geschäfts 
verkehrs, als das allein berechtigte und verantwortliche Haupt. 
Während der Dauer der Ausstellung trat in diesem Verhältniss zwar 
eine Veränderung ein, insofern eine kaiserliche Entschliessung vom 9. 
Juni 1873 die gesammte technisch-ökonomische Verwaltung,. einschliess 
lich der Organisation des Dienstbetriebes und der Geldgebahrung, in 
die Competenz eines zu dem Behufe aus Ministerialbeamten gebildeten 
Administrationsrathes legte. Die Aenderung war indess von vorwiegend 
interner Bedeutung und schien die ungewöhnliche Stellung nur wenig 
zu berühren, welche der Generaldirector auf Grund seiner Vollmachten 
und seiner Thatkraft bis dahin behauptet hatte. 
Deutsche Verwaltungseinrichtungen. 
7. 
Für die deutsche Ausstellung war die Einrichtung der Verwaltung, 
wesentlich durch die deutsche Staatenbildung gegeben. Bestimmt
	        
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