14 Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873,
durch die Aufgabe, den Verband der Nation auf der Ausstellung zum
Ausdruck zu bringen, erschien es andererseits doch nicht zweckmässig,
die Geschäfte unter Uebergehung der einzelnen La»desregierungen wei
ter zu centralisiren, als jene Aufgabe unbedingt erheischte. Die ge
troffenen Einrichtungen erwiesen sich im Ganzen als zweckentsprechend,
wenn sie auch bei dem eigenthümlichen, vielfach unvorhergesehenen
Verlaufe der Ausstellung nicht in allen Punkten zur Durchführung
gelangten.
Die Verwaltung fand ihren Mittelpunkt in der „Centralcommission
für die Wiener Ausstellung von 1873“. Dieselbe übernahm für den
Umfang des Deiches die Oberleitung der Ausstellungsangelegenheiten,
führte die Verhandlungen mit den österreichischen Behörden und trat
in unmittelbaren Geschäftsverkehr mit dem Generaldirector der Aus
stellung. Als Aufgaben waren ihr insbesondere zugewiesen: die Ver-
theilung des Ausstellungsraumes unter die von den Landesbehörden
vertretenen Productionsgebiete, die Feststellung und Durchführung des
Ausstellungsplanes,'die Herrichtung und Ausstattung der Ausstellungs
räume, die Sorge für Empfang, Auspackung, Aufstellung, Beaufsichti
gung, Verpackung und Kücksendung der Ausstellungsgüter, die Her
stellung des Kataloges und Berichtes über die deutsche Ausstellung,
endlich der Erlass der in Betreff der deutschen Betheiligung an der
Jury erforderlichen Bestimmungen.
Die Centralcommission sollte aus neun Mitgliedern bestehen, von
denen den Vorsitzenden das Reich, zwei Mitglieder Preussen und je ein
Mitglied Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen und Elsass-Loth-
ringen zu berufen hatten. Unter dem Vorsitze des königl. preuss.
Ministerialdirectors, Wirklichen Geheimen Oberregierungsraths Moser
waren die Mitglieder: für Preussen der Vorsitzende des königl. Landes
ökonomiecollegiums, Geheime Oberregierungsrath Dr. v. Nathusius
und der Geheime Commercienrath Ravene, für Bayern der Hofrath
Prof. Dr. Rud. Wagner, für Sachsen der Geheime Regierungsrath
Dr. Wiessner, für Württemberg der Staatsrath Freiherr v. Spitzeni
ber g, für Baden der Ministerialrath Turban, welchem nach seiner Be
rufung zum Präsidenten des grossherzoglichen Handelsministeriums der
Ministerialrath v. Stösser folgte, für Hessen der Commercienrath und
nachmalige Ministerialrath Fink und für Elsass-Lothringen der Director
im Reichskanzleramte, Wirkliche Geheime Oberregierungsrath Herzog.
Die Commission hatte ihren Sitz in Berlin, war dort aber nicht
ständig versammelt, sondern trat nur zeitweise in Sitzungen zusammen,
um von dem Stande der Arbeiten Kenntniss zu nehmen und die für
die Weiterführung erforderlichen Beschlüsse zu fassen. Nach Maass
gabe dieser Beschlüsse wurden die laufenden Geschäfte, unter zeitweiser
Zuziehung einzelner der auswärtigen Mitglieder und unter regelmässi
ger Mitwirkung des Berliner Mitgliedes, Geheimen Commercienraths