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Full text: Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wiener Weltausstellung Heft 17

Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, 21 
10. 
Die der Centralcommission vorgelegten Uebersichten über de» 
Raumbedarf der angemeldeten Aussteller führten zu dem überraschen 
den Ergebniss, dass durch die der deutschen Ausstellung überwiesenen 
Räume die Anforderungen der Aussteller nicht zum sechsten Theile ge 
deckt waren. Durfte man dies Verhältniss auch stark reduciren, da 
erfahrungsmässig die anfänglichen Forderungen der Aussteilei an 
Uebertreibungen zu leiden pflegen und manche im ersten Eifer gege 
benen Zusagen bei kühlerer Ueberlegung zurückgezogen oder verges 
sen werden , so stand doch die Nothwendigkeit einer sehr beträchtli 
chen Raumerweiterung ausser allem Zweifel. 
Zur Unterhandlung darüber wurden von Neuem Bevollmächtigte nach 
Wien entsendet. Hier aber hatte sich inzwischen die Lage geändert. Schien 
auch über das Maass der Betheiligung in anderen Ländern noch immer 
keine Gewissheit zu herrschen, so versprach doch andererseits die 
Theilnahme in Oesterreich selbst jetzt über Erwarten sich zu entwickeln. 
In der Verfügung über den vorhandenen Raum glaubte mau sich des 
halb zu grosser Zurückhaltung verpflichtet. Die deutschen Bevollmäch 
tigten vermochten unter diesen Umständen nur in der Maschinenhalle 
eine Vergrösserung des Raumes um etwa die Hälfte zu erwirken,, wur 
den im Uebrigen dagegen auf die programmmässig bis Anfang Juli zu 
treffende, endgültige Entschliessung über die gesammte Raumzuthei- 
lung vertröstet. Für die Centralcommission ergab sich daraus dis 
Nothwendigkeit, in Erwartung dieser Entschliessung einstweilen alle 
entscheidenden Maassnahmen zu vertagen. Leider verzögerten sich die 
erwarteten Erklärungen weit über den bestimmten Zeitpunkt hinaus. 
Erst nach wiederholtem, drängendem Hinweis auf die für die deutsche 
Ausstellung allmälig erwachsende Nothlage kamen dieselben zu Anfang 
August der Centralcommission zu Händen. 
Zum ersten Male ergab sich daraus ein klares Bild von der Lage 
der Dinge. An die Stelle der zweifelhaften Aussichten war für die 
Ausstellung inzwischen die Gewissheit eines grossen Erfolges getreten. 
Die Betheiligung aller gröseren Nationen war gesichert, fast allerseits 
Erweiterung der ursprünglichen Räume verlangt. Oesterreich hatte 
sich dadurch bestimmt gesehen, drei grosse Ergänzungshallen aufzu 
führen , welche die Erzeugnisse der Landwirthschaft, der landwirt 
schaftlichen Gewerbe und die in beiden benutzten Maschinen aufneh 
men sollten. 
Bedeutete dies für Deutschland eine sehr erfreuliche Entlastung 
der Räume im Industriepalast und in der Maschinenhalle, so verwirk 
lichten sich dagegen die Aussichten auf unmittelbare Raumerweiterun 
gen in den letzteren Gebäuden nicht. Im Industriepalaste hatte man 
sogar, unter Abänderung der anfänglichen Dispositionen, Deutschland
	        
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