MAK

Full text: Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wiener Weltausstellung Heft 17

Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 25 
die Uebersicht zu erschweren und das Urtheil über den Werth der 
ganzen Ausstellung zu verwirren. Auch gesammte, in das Ausstellungs 
programm aufgenommene, Arbeitszweige waren theils in ihrer wirk 
lichen Bedeutung durch die Anmeldungen so wenig charaktensirt, theils 
auch in der That für Deutschland von so geringer Bedeutung, dass 
man wünschen musste, sie würden auf der deutschen Seite überhaupt 
nicht erscheinen. Eine Beschränkung der ausstellungslustigen Menge 
nach dieser Richtung wäre der äusseren Erscheinung der Ausstellung 
sicher zu Statten gekommen. Wie man indessen von jeher auf den 
Ausstellungen der deutschen Staaten einer solchen Beschränkung abge 
neigt gewesen war, so legte auch jetzt die Centralcommission mehr 
Gewicht darauf, in der Ausstellung ein wahres Bild der deutschen Ar 
beit zu geben, als dieses Bild mit einem der Wirklichkeit nicht ent 
sprechenden Glanze zu umkleiden. Sie Hess daher grundsätzlich jeden 
angemeldeten Gegenstand ohne Prüfung seines Werthes zur Ausstellung 
zu, sofern überhaupt geeigneter Raum dafür beschafft werden konnte 
Aus diesem Verfahren erwuchs allerdings in ähnlicher Weise, wie aui 
früheren Ausstellungen und nicht zum Vortheile Deutschlands ein Ge 
gensatz zwischen seiner Ausstellung und derjenigen anderer Lander, 
Länder, welche, wie namentlich England und Frankreich, den Schwer 
punkt ihrer Ausstellungen in eine fesselnde Darstellung der glänzenc.- 
sten Seiten ihrer Industrie zu legen gewohnt waren. Auch eine Er 
leichterung ihrer Arbeit ergab sich für die Centralcommission aus ihrem 
Verfahren nicht. Sie sah sich im Gegentheil bei der Vertheilung des 
Raumes unter die in Folge dessen zur Berücksichtigung gelangenden, 
höchst verschiedenartigen Ansprüche vor manche missliche Frage ge 
stellt Wie sollte sie vor Allem die Grossindustrie gegenüber der Klein 
industrie behandeln? Nicht selten hatte die eine Interessen, die der 
anderen durchaus nicht genehm waren. Stand jener ein bevorzugter 
Anspruch zu, was Umfang und Lage der Ausstellungsplätze betraf: 
Welche Rücksichten konnten ferner grössere Geschäftshäuser von alt- 
begründetem Rufe vor den kleineren, erst aufstrebenden Firmen ver 
langen? Jene waren oft, schon ihres Rufes wegen, zu Opfern bereit, 
welche der gesammten Ausstellung zum Vortheil gereichten — diese 
pflegten in jeder Bevorzugung die Absicht zu finden, ihnen den Wett 
streit in unbilliger Weise zu erschweren. Wo lag hier die Grenze, um 
dem Ganzen wie dem Einzelnen gerecht zu bleiben? Zu einer grund 
sätzlichen Lösung schienen der Centralcommission solche Fragen kaum 
angethan. Suchte sie auch im Allgemeinen die gleiche Berechtigung 
Aller zu wahren, so ergaben sich doch häufig Verhältnisse, wo das Inter 
esse der Gesammtheit eine Ausnahme gebieterisch verlangte. Wenn 
die richtige Würdigung hervorragender Industriezweige ohne beson 
dere Berücksichtigung in Raum und Lage in Frage gestellt zu werden 
schien, wenn das Bedürfniss vorlag, an einzelnen Plätzen durch glän-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.